Only Love Can Break Your Heart!

Ein Donnerstagabend, das Wochenende naht, Zeit für ein kleines Konzert:

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Mein entfernter Bekannter P. aus Strausberg und die ihm angetraute J. sind Neil Young Fans und da die beiden sparsam sind, opfern sie nicht die 85€ für das Original im Juli in der Waldbühne sondern identifizierten seinen unehelichen Sohn Israel Nash und buchten die Billetts. Da Strausberg weit weg ist nächtigten die beiden bei mir, zur Belohnung und weil ich bald Geburtstag habe durfte ich mit nach Kreuzberg ins Lido kommen.

IMG_1560Die erste Vorband Sold Out verpassten wir, Cold Lake dagegen war ganz ordentlich. Israel Nash erinnerte mich weniger an Neil Young solo, eher an Crosby, Stills and Nash, die bekanntlich zu den Zeiten als Neil Young dabei war, Crosby, Stills, Nash and Young hießen, so wird wieder ein Schuh draus. Diejenigen meiner LeserInnen die zu dieser Zeit noch präzygote Gameten waren, können mit dieser Musik nicht unbedingt etwas anfangen, die 70er, das waren halt andere Zeiten…

Uns gefiel’s, obwohl J. spontan einen agoraphobischen Schub bekam und sich das Konzert vom Foyer aus anhörte.

 

 

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Ostrock, Herzberg: 60!

IMG_20151228_201427Mit großem Entsetzen musste ich in den vergangenen Tagen feststellen, dass ein Großteil meiner Facebook-„Freunde“ der Kapelle Motörhead nicht abgeneigt ist. Ok, ich höre auch harte Musik, aber diese Prekariatsmukke muss wirklich nicht sein, obwohl als Knallkörperersatz in der Neujahrsnacht vielleicht?

Aber es geht besser: Vorgestern war ich mit meinem besten oranienburger Freund O. samt Partnerin A. im Kesselhaus der Kulturbrauerei zu André Herzbergs 60sten Geburtstagskonzert.
IMG_1516Herzberg wurde mit der in den 80er als Frontmann der DDR Band Pankow bekannt, stilistisch waren sie schwer einzuordnen, Deutschrock, leicht angepunkt, teilweise etwas bluesig, gute Laune Musik, Lieder über die Liebe und damit zusammenhängenden Begegebenheit die jeder schon mal erlebt hat.
Obwohl sie auch dann und wann aneckten, durften sie auch im Westen spielen. Montag bildete Pankow den musikalischen Kern des Konzerts, angereichert mit Dirk Zöllner und dem Karussell Frontmann Dirk Michaelis, beide treten gemeinsam mit Herzberg als die Die 3HIGHligen auf. Dann noch Toni Krahl und Georgi Gogow von City, sogar der unsägliche Sebastian Krumbiegel von den Prinzen war dabei, musikalisch allerdings ein Komplettausfall. Damit ich nicht der einzige Wessi im Kesselhaus war hatte das Geburtstagskind auch den gebürtigen Hamburger Stefan Stopplok geladen, DANKE André!
IMG_20151228_203630-dEin gutes und stimmungsvolles Konzert, vielleicht ein wenig überteuert, aber es war für einen guten Zweck, irgendwas mit minderjährigen Flüchtlingen.
Es kamen Gefühle hoch, ich habe mich in den frühen 90ern intensiv mit der DDR Rock- und Popmusik auseinandergesetzt, damals beim allfreitäglichen „Ostrock tests the West“ in der Alten Kantine gleich nebenan mit vielen Ostnymphen die Einheit vollzogen, einige waren sicher auch vorgestern im Publikum.

 

Schnipo Schranke: Ne Kurze und ne Kranke … und dann Fieberwahn!

IMG_20151203_214330So richtig wohl fühlte ich mich schon den ganzen Donnerstag nicht, doch auch nicht wirklich krank, aber es war was im Busch, Konzentration fiel mir schwer, kein guter Arbeitstag.
Abends nach der Arbeit holte ich meine beste thüringerische Freundin J. ab und wir fuhren ins BI NUU, eigentlich eine ganz nette Location unten im U-Bahnhof Schlesisches Tor.

Schnipo Schranke, das Schrägste was der deutschsprachige Indie-Pop Markt im Moment zu bieten hat, ihr Song Pisse brachte es zu einer gewissen Bekanntheit, „warum schmeckt’s, wenn ich Dich küsse, untenrum nach Pisse?“ – bei YouTube ist das Video gesperrt, wer es sieht, kann sich denken warum.

IMG_1495Das Konzert war echt gut, witzige, teilweise intelligente Texte, musikalisch gar nicht mal so anspruchslos wie man beim ersten Hinhören denkt, die beiden haben halt Musik studiert.
IMG_20151203_223926Das Publikum ging uns allerdings auf die Nerven, der Konzertraum war zu voll, 50 Karten weniger verkauft und es wäre vermutlich ok gewesen, aber so mogelten sich permanent Leute nach vorne, die meisten vergeblich, wenn ich schon nur 1,55 groß bin, dann hör ich halt nur was und seh nix, so ist das – oder ich geh rechtzeitig nach vorne in die Zwergenloge, wenn ich über 1,90 groß bin, dann bleib ich hinten oder am Rand und stelle mich nicht direkt vor mich und J., lasse auch noch den Rucksack auf und telefoniere so laut, dass es sogar die Band auf der Bühne hören kann.
IMG_20151203_221530IMG_20151203_221033-dIch überlegte ob ich den überlangen veganen Telefonierer mit künstlichem Daypack-Buckel umbringe, mein Messer hatte ich aber an der Garderobe abgegeben und die sich vorbeidrängelnden Zwerginnen lenkten mich ab, der Typ hinter mir, der zwei große Fahrradsatteltaschen vor sich stehen hatte die uns an die Hacken drückten, ebenso.
Eine komische Konstellation, schlecht gelaunt trotz witzig-gutem Konzert, mir wurde kotzübel, ich schaffte es gerade so nach Hause.

„Cluburlaub in der Karibik
Der Alkoholpegel ist hoch, doch das Niveau ist hier niedrig
Nackig auf der Cocktailbar
…Gangbang mit den Animateuren
Die Wände sind hier schalldicht, deshalb kann uns keiner hören…“

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Die Nacht schlief ich nicht, durchlebte die Hölle, ich nenne es mal Magen-Darm-Extrem-Grippe mit schlimmstem Fieber, Diarrhö und Extrem-Vomiting, zwei Tage litt ich, wurde depressiv, schmiedete Pläne wie ich künftig mit unliebsamen Konzertbesuchern und dem Rest der Welt abrechne, war so schlecht drauf wie schon lange nicht mehr. Freitag fiel auch noch das Internet aus, Festnetz gleich mit tot, Handy ging sporadisch, Nummern, die ich anrief wurden als unbekannt angesagt, Leute die mich anriefen landeten auf der Mailbox, totaler Dreck, krank und der am Internet hängende Fernseher geht nicht, zum Lesen war ich zu schwach.

IMG_1499Heute gehts ein wenig besser, ich habe seit gestern Abend nicht mehr gekotzt, die Sonne scheint, ich werde nachher ein wenig spazieren gehen, zu den Mülltonnen und zurück.

Wenn nachher dann auch noch Eintracht Frankfurt endlich mal wieder in der Bundesliga gewinnt, dann werde ich endgültig über den Berg sein.

 

Was Es Ist!

DSCN7906Sie kommen aus meiner alten Heimat Prenzlberg/Pankow, starteten in den Neunzigern als Schülerband und gehören seitdem zum Besten was Berlin zu bieten hat:

MIA.

Ich wollte sie vor etwa zehn Jahren schon mal live sehen, in der Wühlheide als Opener von Verrat ich nicht, aber meine Kollegin U. verfuhr sich ständig und bis sie einen Parkplatz fand war MIA. durch.

Letzten Donnerstag spielten sie im Huxleys und ich war dabei.

DSCN7849Als Vorprogramm Georg auf Lieder, ein Straßenmusiker der es geschafft hat, gar nicht mal schlecht, schräge Texte mit viel Humor, kann mir auch vorstellen, dass ich ihm 20 Cent in den Hut werfe wenn ich ihn als Straßenmusiker sehe.

DSCN7893Dann kamen MIA. und rockten dann die Halle, ein lebhaftes Konzert, teilweise leicht punkiger Elektropop, ich stehe ja mehr so auf die frühen Hits Hungriges Herz und die Interpretation des Erich Fried Gedichts Was Es Ist, das sind auch nach wie vor die Besten Songs.

DSCN7884Den Rest kannte ich natürlich auch, gefiel mir, gute Show, stylische Outfits der Frontfrau Mieze Katz, die Akustik stimmte, die Halle war halbwegs ausverkauft.

Ein rundum tolles Konzerterlebnis.

 

 

Keiner traut’s mir zu: Heartbeats, aber ich hasse Katzen!

IMG_1487Wir hatten gestern eine Teambildungsmaßnahme, der alte Chef mit dem neuen Team versucht selbiges zusammen zu schweißen.
Ein jeder sollte drei Aussagen über sich aufschreiben, zwei wahre und eine falsche, die anderen mussten dann raten welche falsch ist. Ich schrieb auf:

-Ich bin gelernter Bierbrauer
-Ich habe zwei Katzen die Hanni und Nanni heißen
-Ich gehe heute auf ein José Gonzales Konzert

Alle tippen auf José Gonzales … und lagen falsch!

DSCN7836DSCN7841Meine beste schwäbische Freundin L. wollte eigentlich mit Kollegin E. zum Schweden, aber die gute E. sagte ab und ich bekam das Ticket geschenkt, also ging ich mit.
Also es war schon ok, Mädchenmusik halt, aber gesanglich und musikalisch auf sehr hohem Niveau.

Ich habe ein paar Titel von ihm zu meiner Playlist hinzugefügt, die ich laufen lasse wenn ich Damenbesuch habe und es gemütlich werden soll: James Blunt, Tony Carey, Meat Loaf, Cat Stevens … und jetzt auch José Gonzales!

Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit!

IMG_20151023_193523Ich liebe deutschsprachige Rock-Musik mit musikalischem und literarischem Anspruch.

Element of Crime, Blumfeld, Ton Steine Scherben und Tocotronic sind die Bands, die hier die Standards setz(t)en, nicht ohne Zufall alle ansässig in Berlin oder Hamburg – musikalisch ist Deutschland sonst Provinz.

IMG_1480Mitte der 90er Jahre tauchten besagte Tocotronic auf der Bildfläche auf, das Debütalbum „Digital ist besser“ begeisterte mich, Songs wie „Wir sind hier nicht in Seattle, Dirk“ und „Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit“ waren und sind einfach der Hammer, musikalisch schrammelig, grungig, punkig und textlich top!
Bei der ersten sich bietenden Gelegenheit besuchte ich ein Konzert, ich glaube es war im Kesselhaus der Kulturbrauerei, gemeinsam mit meinem entfernten Bekannten P., der damals wie ich am Penzblberg wohnte.

Musikalisch sind sie inzwischen fülliger geworden, haben sich verändert, aber sie blieben sich treu, die Texte sind nach wie vor stark, Poesie gesungen wie die aktuelle Single Zucker zeigt.

IMG_20151023_210637„Du bist aus Zucker, du bist zart
Du schmilzt dahin, du wirst nicht hart
Du bist zänkisch und suspekt
Du bist ein toxisches Subjekt“

IMG_20151023_211720Mein entfernter Bekannter P. wohnt jetzt in Strausberg bei Berlin (deshalb nenne ich ihn auch seitdem hier „entfernter Bekannter“), mag Tocotronic sicher immer noch, aber er konnte sich nicht aufraffen, nach knapp 20 Jahren wieder mit mir auf ein Tocotronic Konzert zu gehen.

Ein halbes Jahr habe ich die Karte schon, gestern war es endlich so weit. Es war natürlich ausverkauft, heute gibt es sogar noch ein Zusatzkonzert.

Den Opener machten Sarah and Julian, Singer Songwriter, ganz nett.

IMG_20151023_215110Dann ging es los! Meine hohen Erwartungen wurden erfüllt, ein gutes Konzert, leider nur knappe zwei Stunden, ok, die Jungs sind inzwischen auch schon in ihren Vierzigern und legten sich immer noch voll ins Zeug, das strengt sicher an.

Ein gutes Konzert!

 

Marc Mandel: Verdorbene Liebe!

IMG_20150918_214838Sein Schaffen gehört zum Soundtrack meines Lebens, er ist einer der kreativsten und genialsten britischen Musiker, kein Hardrocker, schwul, Mitglied der Church of Satan.

„Soft Cell“ und „Marc and the Mambas“ sind seine bekanntesten Bandprojekte, aber die meiste Zeit war er eigentlich Solo unterwegs. Er ist mehr als nur „Tainted Love“ und „Something gotten hold of my heart“ – wobei, die ersten beiden Takte von „Tainted Love“ und man weiß Bescheid:

IMG_1457Gestern sollte er im C-Club gastieren, als ich sein neues Album „The Velvet Trail“ das erste Mal hörte holte ich mir sofort die Karte, aber auch sein 2010er Album „Variety“ fand ich schon toll, ist aber total anders.
Ziemlich produktiv der Knabe, bringt mit Ende 50 noch alle ein zwei Jahre ein Album raus.

Kommen wir mal zum Konzert:
Ich kam grad so pünktlich am C-Club an, ich mag die Location, schöner Laden für 500 Leute.
Aber der C-Club war eine Baustelle. Klar, das Konzert war verlegt, aber wohin? An der Baustelle kein Hinweis, auf der C-Club Seite wurde das Konzert ganz normal angekündigt, so eine SCHEISE!
Ich bekam dann irgendwie mit, dass er im Schwuz in der Rollbergstrasse auftritt, toll, da war ich auf dem Hinweg fast vorbei gefahren.
IMG_20150918_211248IMG_20150918_213651Das Konzert ging wohl Punkt 8 los, zehn nach war ich dann auch da, zunächst ein wenig unleidlich, der Schwuz-Konzertsaal hat nur einen ganz engen Eingang, aber ok, wenn man einmal drin ist, dann geht’s – rektale Architektur.
Auch die Bar hat was, ist direkt im Raucherbereich.
So nach zwei Nummern hatte ich mich aber wieder beruhigt.

IMG_20150918_214417Der Gig war aber ordentlich, ich stand neben Thomas Hermanns (oder seinem Double?), wenn er nicht spricht ist er gut zu ertragen.
Ein intensives Konzert, genau zwei Stunden, die Frisur von Marc Almond ist deutlich besser als früher.