Weihnachtsgeschichte: Onkelpflichten 2015…

Nach ich 2010 und 2011 und 2012 und 2013 und 2014 Weihnachten in Berlin in aller Ruhe verbrachte begab es sich dieses Jahr, dass ich einem Stern bis in die alte hessische Heimat folgte und nun in der Provinz das Heuchlerfest überstehe.

MoToMeine liebe Nichte A. freut sich, habe wir uns doch im ablaufenden Jahr nur wenig gesehen. Seit ein paar Jahren lese ich ihr, um sie unweihnachtlich einzustimmen, am sogenannten Heiligabend eine Weihnachtsgeschichte vor, die letzten Jahre via Skype, diesmal LIVE. Mein anderthalbjähriger Neffe M. war diesmal auch dabei, zum zweiten Mal, ich denke, er hat nicht alles verstanden, aber den Spirit bekam er mit.
xr-sticker-2Das Vortragen dieser wahren Geschichte, die ich vor ein paar Jahren niederschrieb, wurde  zu einem festen Ritual für Nichte, Neffe und Onkel:

Donnerstag Abend kam ich nach einem verunglückten Blind Date gegen neun nach Hause. Als ich mein Treppenhaus betrat, hörte ich von irgendwo oben ein leises Schluchzen und Wimmern, ein Kind? So weit ich weiss, hat niemand in meinem Seitenflügel Kindschaft, hier wohnt nur Studentenpack und natürlich ich alter Sack. Komisch, dachte ich und stieg die Treppen hoch, in der dritten Etage hatte ich den Quell des Jammers immer noch nicht erreicht, es musste also von ganz oben bei mir kommen. Ich hielt kurz inne. Hatte ich unwissentlich irgendwann mal ein Kind gezeugt und nun hat‘s die Mutter bei mir abgelegt? Nein, es kann ja auch vor der Tür meiner Etagennachbarin liegen, aber die war nie schwanger, das hätte ich gesehen. Unsicher ging ich weiter, kurz bevor ich den letzten Treppenabsatz erreichte, ging das Flurlicht aus. Mist, jetzt musste ich mich im Dunklen zu meiner Wohnungstür und zur Geräuschquelle vortasten, ein wenig Angst hatte ich schon. Da lag jemand jammernd vor MEINER Tür, nicht vor der der Nachbarin, das Flennen war jetzt nahezu unerträglich laut. Vorsichtig ertastete ich den Lichtschalter, ich hielt die Luft an, drei-zwei-eins:

LICHT an!

Ein recht großes Kind lag zusammengekauert vor meiner Tür und machte die bereits beschriebenen Geräusche. Das Gesichtchen war vom weinen rot geschwollen, ich erkannte keine Ähnlichkeit mit meiner Person, gut, nicht meins, beruhigt und beruhigend sprach ich den Knaben an:

„Ja, wer bist Du denn und warum weinst Du denn so bitterlich?“
„Huähuäh!“

„Kannst Du schon sprechen?“
„Wäääääääää!!!!“

Jetzt sah ich, dass das Findelkind, das größte Findelkind der Welt, ein kleine Schachtel in der Hand hatte, die Schachtel schien sein größter Schatz zu sein. Vorsichtig versuchte ich, ihm die Schachtel wegzunehmen, vielleicht würde mich der Inhalt der Schachtel weiter bringen, aber der Kleine klammerte sich mit aller Kraft um die Schachtel und weinte noch bitterlicher.

„Hab keine Angst, ich tu Dir nichts. Der Onkel geht jetzt erstmal in seine Wohnung.“

Sollte ich die Polizei rufen? Nein, dann ist die Plage nachher dann doch von mir und ich hab auch noch Ärger mit den Bullen. Er weinte und weinte und klopfte an meine Tür.

„Willst Du mir jetzt sagen wie Du heisst?“
„Duast! Duaaast!“
„Duast, komischer Name, Hallo Duast, ich bin Onkel Tommy.“
„Nein, ich habe Durst!“

„Achso, soll ich Dir eine Limo bringen? Und sag mir doch bitte wie Du heißt.“
„Biar!“
„Auch kein wirklich schöner Name!“
„Will ein Bier! Huähuäh! “

Sein Mützchen war runtergerutscht als ich mit einem Bier aus der Küche zurück kam. Jetzt erkannte ich den Knaben, trotz seines verschwollenen Heulgesichts und den nassgeschwitzen roten Haaren:

Es war „der andere“

„Hast Du irgendwelche Drogen genommen! Der Stoff ist bestimmt in der Schachtel, los gib her!“

Mit einer Hand trank er hastig das Bier aus, mit dem Rest seines Körpers klammerte er sich um die Schachtel, aber er schien sich zu beruhigen. Nach vier Flaschen Bier schien er mir ansprechbar.

„Nun sag schon, was hast Du genommen? Pilze? Was Chemisches?“

Er wollte was sagen, hatte aber Schluckauf und seine Emotionen kamen wieder hoch, er fing an zu hyperventilieren. Ich zog ihm eine Plastiktüte über den Kopf, das soll man machen wenn jemand hyperventiliert, hatte ich mal gehört.
Das Telefon klingelte, es war Gerontus, er hatte sich gerade einen neuen Computer gekauft und ein paar Fragen zur Inbetriebnahme des Gerätes. Er kennt sich mit neuen Technologien wirklich überhaupt nicht aus, aber bei heutigen Geräten ist das Betriebssystem schon vorinstalliert und ich konnte ihm relativ schnell erklären, wie er die Kiste zum laufen bringt, nach kurzer Zeit rief er die erste Email ab. Ja irgendwann ergeben sich auch die schlimmsten Skeptiker dem Druck, den die Internetgesellschaft ausübt nach, darüber machte ich mich natürlich lustig.

Oje, „der andere“ lag ja noch draussen. Mist, ich lief hin und riss ihm die Plastiktüte vom Kopf, er war blau im Gesicht, sah aus wie ein Schlumpf, er weinte nicht mehr, aber er atmete noch. Bewusstlos wie er war klammerte er sich immer noch um seine Schachtel und er hatte sich in die Hose gemacht, das kann bei drohendem Erstickungstot schon mal passieren, hatte ich mal gehört. Ich zog ihn an den Füssen in mein Bad, hievte ihn in die Wanne und duschte ihn kalt, er roch unangenehm. Ich streute Waschpulver auf seine vollgepisste Hose.
Jetzt kam er zu sich, ich duschte ihn langsam warm, gab ihm ein Handtuch und suchte ein paar alte Klamotten von mir raus die er anziehen konnte.
Irgendwann kam er dann mit einer viel zu weiten und viel zu kurzen Hose aus dem Bad, die jetzt nasse Schachtel in der Hand und immer noch am heulen, wenn auch nicht mehr ganz so heftig.

„Los „Du anderer“, nun sprich, was is los?“
„Mein Skorpion Nanz ist ganz schlimm krank!“

Er reichte mir die Schachtel rüber. Wenn ich vorher nicht gewusst hatte, wie ein halb verwester Skorpion riecht, jetzt wusste ich es.

„Dein Skorpion ist nicht krank, er ist tot!“
„Nein?“

„Doch, tot! TOT! TOT! TOT!“

Er flennte wieder heftiger los. Mir war ja schon immer klar, dass „der andere“ eine Memme war, aber das es so schlimm war, alle Achtung!

Nach zehn Minuten:

„Ist er wirklich tot?“
„Ja!“
„Ist er jetzt im Himmel?“

Auweia, hatte er im Religionsunterricht nicht aufgepasst? Aber um die Flennerei nicht erneut anzuheizen ging ich auf ihn ein:

„Ja klar, er war doch immer ein braver Skorpion, er ist jetzt bestimmt im Skorpion-Himmel!“
„Komme ich auch mal in den Skorpion-Himmel?“ Er weinte nur noch leicht.

„Nein, Du kommst erstmal ́ne Zeit lang in die Hölle und dann vielleicht mal in den Memmenhimmel:“
„Was ist der Memmenhimmel?“
„Der Himmel in den Du vielleicht mal kommst wenn Du Deine Sünden in der Hölle abgesessen hast.“

„Achso…???“

Er hatte keine Kraft mehr zum Heulen, ich legte ihn auf mein Sofa, deckte ihn samt Schachtel zu. Nach wenigen Minuten war er eingeschlafen.

Am nächsten Morgen war er dann schon etwas gefasster. Seine Klamotten waren inzwischen auf der Heizung getrocknet, wir frühstückten.

„Ich möchte den Skorpion beerdigen, mit Dir!“
Was hatte ich ihm denn getan?

„Aber ich lebe doch noch, warum willst Du mich auch beerdigen?“
„Du sollst der Pfarrer sein!“
„Achso?“ Fragte ich beruhigt.

„Du hältst doch eine schöne Predigt?“
„Ja!“
„Und Du bist Dir sicher, dass er wirklich tot ist?“
„Gaaanz sicher!“
„Und wir legen noch eine Heuschrecke in den Sarg, ja?“
„Warum denn das? Er ist doch tot.“
„Damit er im Skorpion-Himmel was zum Essen hat.“
„Meinetwegen…“ Und wenn das ganze vorbei ist, gehe ich mit ihm mal zum Psychologen, dachte ich.

„der andere“ ging in den Zooladen um die Heuschrecke zu kaufen und ich bereitete die Beerdigung vor. Ich schrieb meine Predigt, zog schwarze Sachen und meinen weissen Rollkragenpullover an, er kam mit einer Heuschrecke zurück. So langsam schien er wieder der alte „der andere“ zu werden. Gegen zwei wollten wir los, Nanz, den toten Skorpion auf meinem Hinterhof beerdigen.

„Schmulik und Conception sollen mitkommen, die waren Freunde von Nanz.“

Er hatte Recht, meine beiden Schlangen kannten das tote Viech, er hatte es im Sommer mal für ein paar Wochen bei mir in Pflege gegeben.

„Nein „anderer,“ dass geht nicht, es ist zu kalt für die Schlangen auf meinem Hinterhof.“
„Wo? Wo? WO?“
„Auf dem Skorpion-Friedhof auf dem Hinterhof, da ist es zu kalt für zwei Schlangen!“
„Aber ich will Trauergäste haben haben haben…“

Er stampfte mit dem Fuß auf.
Mir wurde es langsam zu bunt, trotz Weihnachtszeit.

„Nein, Basta! Die Schlangen bleiben im Warmen! Mach die Heuschrecke kalt, leg sie zum toten Skorpion in den Sarg und dann gehen wir runter zur Beerdigung.“
„Skorpione essen nur lebende Heuschrecken!“

„Aber Dein Skorpion ist auch tot! … Ach, mach doch was Du willst …“

Wir packten alle Beedigungsuntensilien zusammen, ich war froh, dass er nicht auch noch auf Musik bestand. Hoffend, dass wir bei der Beerdigung keine Nachbarn von mir treffen würden, zogen wir los, peinlicher geht‘s ja wohl nicht. Aber auf dem Hinterhof parkte Samantha aus dem Vorderhaus gerade ihr Rad mit dem besonders überbreiten Kleinkindanhänger ein. Ihre vier Jahre alten eineiigen Drillinge saßen noch im Hänger und schrieen vor Freunde als sie mich sahen. Samantha ist alleinerziehende Mutter und von Beruf Flugbegleiterin, ab und an stelle ich den dreien Essen und frisches Wasser rein, wenn sie mal wieder ein paar Tage on air ist. Klaus-Bärbel, Gillette und Jennifer-Jens, die drei sind Hermaphroditen, sprangen aus dem Hänger und begrüßten mich innigst. Süss sahen sie aus in ihren rosa-hellblauen Designerklamotten in die Samantha sie immer steckt.

„Was machst Du mit dem Heulmann?“
„Wir wollen seinen Skorpion beerdigen.“
„Warum?“
„Weil er gestorben ist.“
„Was ist gestorben?“
„Wenn man tot ist! Was das genau ist, das erklärt Euch Eure Mutter gerne.“
„Wir wollen auch den Skorpion mit beerdigen.“

Haustiere dienen ja auch dazu, Kindern den Tod begreiflich zu machen, ich warf Samantha einen Blick zu, wir verstanden uns, sie willigte ein. So hatten wir doch noch vier Trauergäste. Es war nicht meine erste Beerdigung, aber meine erste als Pfarrer und ich muss sagen, es war nicht die schlechteste Beerdigung.

Hinterher kauften wir Kuchen und machten dann noch zu sechst eine kleine Trauerfeier in meiner Küche. „der andere“ musste zwar noch ab und an weinen, aber es war ein schöner Nachmittag.

„Heiratest Du mich wenn ich groß bin?“ Fragte Gillette, das fragt er mich seit sie sprechen kann.
„Sicher, wenn diese Gesetzeslücke bis dahin geschlossen ist.“ So antwortete ich immer auf diese Frage meines lieblings Drillings.

Die drei Kleinen fanden die Beerdigung toll. Sie haben Schnecken als Haustiere, Samantha meint, die zwittrigen Weichtiere sind die idealen Spielgefährten für die drei Hermaphroditen. Montag wollen sie eine Schnecke totmachen, ich soll sie dann als Pfarrer beerdigen.

Ich stehe vor einer großen Karriere als Beerdiger von Wirbellosen.

So verging die Zeit, die Kleinen wurden müde und ihre Mutter zog mit den dreien ab. Auch „der andere“ hatte sich gefangen und brach auf.

„DU BIST MEIN BESTER FREUND, TOMMY!“
„Du mich auch, mach ́s gut!“

Wir drückten uns.

Abends ging ich noch in eine Kneipe um die Ecke. Ich saß mit einem sehr alten Mann an der Theke, gab ihm ein Bier aus, wir stießen an, der Schaum blieb in seinem weissen Rauschebart hängen, er lächelte mild, schien mich zu kennen.

„Tommy, Du bist ein guter Mensch, wenn Du mal ein Job brauchst, ruf mich an!“

Er gab mir seine Karte, zog seinen schweren roten Mantel an und ging.

Ich wünsche allen Lesern meines Blogs schöne freie Tage!

Radtour Berlin-Brandenburg –> Lich: Durch den Vogelsberg, Zieleinlauf mit Ehrenempfang! (85,53 Pedalkilometer)

Ich fahre mit dem Rad! Bei Touren baue ich mein Zelt immer so auf, dass frühs die Sonne drauf scheint, zum einen verschläft man dann nicht, zum anderen trocknet das Minimalhabitat dann schneller.
DSCN6735Der Freitagmorgen war ein sehr warmer und sonniger, um sieben Uhr musste ich aus dem Zelt kriechen. Aber gut, so konnte ich früher aufbrechen, bis die Campingplatzgaststätte um 8 das Frühstück fertig hatte war alles schon auf dem Rad verstaut, Punkt 9 brach ich nach dem Frühmahl auf.
DSCN6736Zumeist durch Wälder überquerte ich den Vogelsberg, die Gegend Hessens in der vorehelicher Geschlechtsverkehr mit Kühen und anderen Paarhufern üblich ist ehe man dann mit einer nahen Verwandten verheiratet wird.

DSCN6739Aber die Landschaft ist schön, ich genoss dass Mittelgebirge, die Steigungen waren erträglich. Inzwischen ist der Vogelsberg ein großer hessischer Player in Sachen Energiewende, alle paar Meter steht ein großer Propeller, gut so.

DSCN6741Eigentlich wollte ich bis Lich durchradeln, doch es begab sich, dass mein bester vogelsberger Freund T., dessen Dorf eh auf dem Wege lag, mich zu einer Grillfeier in seinem schattigen Garten lud. Ich kenne mich in der Gegend nicht so 100% aus, aber T. sagte, dass man die letzten 12 km ab Ulrichstein quasi in sein Dorf Freienseen reinrollt.
Aus diesem Grunde und weil ich gut in der Zeit war setzte ich in Ulrichstein, der höchstgelegenen Stadt Hessens, bei 30 Grad im Schatten den zweiten und letzten Bier vor Vier! Joker ein. Keine gute Entscheidung die ich auf die falsche Information T.s hin traf, statt einer genüßlichen Abfahrt erwarteten mich nochmal zwei extreme Steigungen, mit die schlimmsten der ganzen Tour, ich bereute das Bier!
Die Grillparty war schön und feucht-fröhlich, nach dem Frühstück fuhr ich am Samstag Morgen die letzten knapp 20 km nach Lich weiter. Am Ortsschild erwarteten mich der Bürgermeister, der örtliche Posaunenchor, dass Ehrenspalier des Licher Landfrauenvereins, Freunde, Familie und neugierige Mitbürger. Die Tour war ein Erfolg, der Schlechtwetter-Joker Hotel! nicht einmal eingesetzt werden.

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Eine Woche Erholungsurlaub in der alten Heimat stand nun an…

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Kartenmaterial:
© OpenStreetMap und Mitwirkende, CC BY-SA
Lizenz CC BY-SA
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

Radtour Berlin-Brandenburg –> Lich: Hessen! (85,51 Pedalkilometer)

Ich fahre mit dem Rad! Es ging weiter, in Hörschel gab’s kein Frühstück, im benachbarten Herleshausen, schon in der hessischen Ex-Heimat gelegen, dort dachte ich, sollte es Bäckereien geben, die Kaffee und Gebäck zum Frühstück offerierten…
Es gab Bäckereien, aber die hatten alle zu, Frohenleichnahm!
Kein Mensch weiss, warum dieser Tag im protestantischen Hessen ein Feiertag ist, warum die abgefuckten Katholen-Bistümer Fulda und Limburg das durschsetzen konnten. Aber nicht ablenken Tommy, Du hast versagt, die Tour schlecht geplant. Ich überlegte ob ich die Tour abbreche, das Rad in Werra werfe und nach Berlin trampe.
Doch wenn du glaubst es geht nicht mehr kommt von irgendwo ein Lichtlein her, das Lichtlein heißt:

DSCN6711FauxPas Joker!

… und so bebab es sich, dass Tommy zu ersten und letzten Mal in seinem Leben bei McDonalds frühstückte… und sich gleich ärgerte:
Eigentlich wollte ich einen McMüffel oder wie die heißen essen, also einen Frühstücksburger aus Eiern und Speck, ich war auch right in time, kam um 10:35 an, Frühstück gibt’s bis halb zwölf an Feiertagen, sonst bis halb elf. McDonalds ist ja eigentlich zwei Restaurants, den Kaffee gab’s bei McCafé, den Eggburger am Hauptschalter, ich wollte mit Kreditkarte zahlen, aber das geht erst ab sechs €uro, und bei McCafé hatte ich weniger.
DSCN6724Am Hauptschalter bekam ich dann keinen McMüffel mehr, Frühstück göäbe es nur bis halbe ölfe, belehrte mich die aus Sachsen importierte Tresenhilfskraft. Ich korrigierte sie, verwies auf den Feiertag und musste mir dann blödes verbiebschtes Gemecker anhören, warum es bei McDonalds Herleshausen an Feiertagen nur bis halbe ölfe Frühstück gäben tut obwohl halbe zwölwe dranne stäht was ein Fäählör ist.
Also zurück zum McCafé, kaufte eine Butterbömme und einen Muffin, wieder unter sechs €uro, wieder keine Kreditkartenzahlung möglich…

DSCN6728Ich befand mich in der Tiefprovinz und mir ging das Bargeld aus. Aber es musste weiter gehen, zunächst an der Werra lang, der Werratalradweg ist dort, wo er an der Grenze zwischen Hessen und der DDR verläuft Teil des Iron Curtain Trails der von der Barentssee bis zum Schwarzen Meer geht, 10.000 imposante Kilometer, und ich bin ein Stück davon gefahren.
DSCN6730Die Werra, früher vom Kalibergbau total verdreckt, ist heute ein halbwegs schönes sauberes Flüsschen, nur die Abraumhalden zeugen noch vom Kalibergbau.
Gemächlich fuhr ich an der Werra lang, mal auf hessicher, mal auf thüringer Seite, durch Orte die Ende 1989 plötzlich Grenzübergänge wurden, ehe ich dem schönen Thüringen bei Dankmarshausen entgültig Lebe Wohl sagte.
DSCN6731Ich fuhr dann noch ein paar Kilometer im Hessischen an der Werra lang, bog dann rechts ab Richtung Bad Hersfeld.
Von nun an ging’s bergab, einmal sogar gefühlte 15 km runter von der Rhön ins Fuldatal, eBiker die überholte drängte ich routinemäßig vom Wege ab. Nach einem Eisbecher und aufladen meiner Bargeldbestände in Bad Hersfeld fuhr ich ein Stück an der Fulda hoch und dann rüber nach Kirchheim, bzw. zum Campingplatz an einem See in der Nähe.

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Radtour Berlin-Brandenburg –> Lich: Thüringen! (102,5 Pedalkilometer)

DSCN6688Ich fahre mit dem Rad! Es ging weiter, durch Thüringen, grob entlang der Thüringer Städtekette, dem thüringer Ost-West-Radfernweg bzw. des Luther Weges, dem beliebten protestantischen Pilgerpfad (was schreib ich den manchmal für einen Quatsch).
Ich fuhr die Städte bei bestem Radelwetter einfach westwärts von Weimar aus der Reihe nach ab, das spart Zeit und Kilometer.
So erreichte ich zunächst die Landeshauptstadt Erfurt, ein schönes Städtchen, imposamter Dom, nette Altstadt. Wenn ich in Erfurt bin, muss ich immer an Nina Hagen denken, auch wenn ich nicht die Autobahn nutze…

DSCN6691Weiter ging’s nach Gotha, es zog sich, langweilige Landschaft, eine lange Steigung hinter dem Flughafen Erfurt, ein Rentner im eBike bereute mich überholt zu haben 😉 Auch die Stadt Gotha (Aussprache Gäouda) selbst ist nicht der Bringer, da will glaube ich keiner wohnen, die 24 Minuten die ich dort rastete reichen mir für’s Leben.
Eisenach versprach da mehr, die Wartburg, Geschichte pur, leider hatte ich weder Zeit noch Muse Deutschlands berühmteste Burg zu visitieren sondern fuhr nach einem Bier nach 4 weiter nach Hörschel an der Werra, hier beginnt der Rennsteig, aber den will ich nicht befahren.
DSCN6695In Hörschel checkte ich beim örtlichen Kanu Club ein, an sich schön am Fluss gelegen, die Brücke der A4 geht allerdings direkt oben drübber nübber und eine Bahnstrecke im Werratal, auf der nachts im minutentakt Güterzüge rattern, trägt auch nicht zum Erholungswert bei.
DSCN6698Ansonsten ist Hörschel ein totes Nest, ich dinierte in der einzigen Gaststätte am Orte, Speckfleischteller mit fettigem Ranz und Salatgarnitur, ich brauchte Kohlenhydrate und Eiweiß, dazu ein paar Bierchen.

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Radtour Berlin-Brandenburg –> Lich: Pausentag an der Ilm!

DSCN6622Ich genoss den Pausentag in Weimar.
Meine durchgeweichten Sachen wusch und trocknete ich, auch die nass eingepackte Zeltplane regenerierte in der Garage von C. und M. schnell.
Das Wetter war wieder schön!
M. hatte Spätschicht, wir frühstückten und ich bestaunte den Garten der beiden, insbesondere der Caravan beeindruckte mich.
DSCN6632DSCN6673Während M. dann arbeitete radelte ich hoch ins schöne Bellevedere, einen wunderschöner Landschaftspark mit Schloss und Biergarten…
Später durchquerte ich den Park an der Ilm und machte die eine oder andere Rast im schönen Weimar.
Den Abend ließen wir in einem Biergarten am Frauenplan ausklingen…

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Radtour Berlin-Brandenburg –> Lich: An der Saale im Regen! (62 Pedalkilometer)

Ich fahre mit dem Rad! Ich schlief gut in Naumburg an der Saale, um 8 Uhr 24 kroch ich aus dem Zelt, warf den Schlafsack zum Lüften über das Zeltdach und begab mich zu den Waschräumen, der Himmel wirkte merkwürdig grau. Als ich zurück kam hatte intensiver Nieselregen eingesetzt, ein netter Mensch hatte meinen Schlafsack zurück ins Zelt geworfen, nett, echt nett!
DSCN6598Es gelang mir, meinen Kram halbwegs trocken zu verpacken, nur das Überzelt musste ich feucht in einem für solche Zwecke mitgeführten Müllbeutel verstauen.
Die Campimplatzgaststätte war immer noch wegen Krankheit geschlossen und so radelte ich bei inzwischen ergiebigem Nieselregen nach Naumburg rein, sucht mir ein Café zum frühstücken.
DSCN6612Ich versuchte mit der 44 jährigen restattraktiven Bedienung zu flirten indem ich auf meine bemitleidenswerte Situation als Regenradler aufmerksam machte, aber sie meinte nur, dass ein wenig Regen gut für ihren Garten sei, „ein wenig Regen?“ Inzwischen goss es in Strömen! Sollte das alte Weib doch in ihrem blöden Garten verschimmeln…

DSCN6604Zum Frühstück konnte man so viel Bohnenbrühkaffee trinken wie man wollte, da es der beste Bohnenbrühkaffee war den ich seit der Konfirmation meines Bruders M. 1985 getrunken hatte, führte ich mir das Gesöff literweise zu und machte mich gegen halb zwölf mit einem Kaffee-Flash bei inzwischen nicht mehr so starkem Regen auf den (Rad)Weg. Landschaftlich war es die schönste Strecke, kalt und windig war es auch nicht, aber der Regen nahm mir schon ein wenig den Spaß.
DSCN6615In Bad Kösen setzte der Regen aus, zum Ausgleich führte der Radweg hoch zur Rudelsburg, es ging so steil hoch, der Weg aus Muschelkalkstein, eher ein schlechter Wanderweg, auf keinen Fall ein Radweg, obwohl als solcher ausgeschildert, über einen Kilometer musste ich steil bergauf schieben. Zur Belohnung gab es dann einen Blick über das Saaletal samt zwei Burgen und das Löwendenkmal, ein wohl mehr rechtes Burschenschaftsding, errichtet in den 1920er Jahren. Als ich wieder im Tal an der Saale war setzte der Regen wieder ein, so langsam kroch die Nässe trotz guter Ausrüstung in mich und mein Gepäck rein…
DSCN6618Irgendwann kam ich an einem Campingplatz vorbei, der Biergarten hatte überraschender Weise offen, ich uß eine heiße Gulaschsuppe und setzte den ersten
Bier vor Vier! Joker ein! Anscheinend weil ich den Teller leer gegessen hatte hörte es als ich wieder los fuhr für drei Minuten auf zu regnen, aber nur um dann wieder um so stärker weiter zu regnen.
In Jena kam ich komplett durchnässt an, das Wasser stand in meinen Turnschuhen, ich setzte den Schlechwetter-Joker Bahn! ein und fuhr die  20 km bis Weimar im vollen aber trockenen Zug. Meine besten weimaraner Freunde M. und C. nahmen herzlich auf, eigentlich nur M., C. war auf Dienstreise.
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Radtour Berlin-Brandenburg –> Lich: Sonntag an der Saale! (110 Pedalkilometer)

DSCN6601Ich fahre mit dem Rad! Am Sonntag lachte mich die Sonne an.
Während ich in der Campingplatzgaststätte Gerlebogk frühstückte hielten die männlichen Dauercamper dort ihren Frühschoppen ab, ihre drallen Frauen machten sich in ihren inzwischen zu engen 80er Jahre DDR-Badeanzügen nacheinander im Sanitärtrakt tagesfein.
So wurde meine Breitschaft  Gerlebogk zu verlassen deutlich erhöht.
Ich fuhr strikt gen Westen und erreichte bei Könnern die Saale, naja, eigentlich verpasste ich die Einfahrt in den Saale Radweg und fuhr erstmal parallel zum Fluss 10 km über ein riesiges Bergplateau ehe ich bei Rothenburg nach mühsamem Aufstieg und flotter Abfahrt endgültig das Flusstal erreichte.
DSCN6587Nun geriet ich in ein Radrennen, Amateure freilich, aber schon komisch, klar war ich mit meinem beladenen Trekkingrad der Langsamste, aber ich denke mit Rennrad wäre ich in der Seniorenklasse sicher nicht Letzter geworden. Egal, ich bin Radwanderer.

DSCN6588Bei bestem Wetter ging es auch nach der Ziellinie des Radrennens weiter am Fluss Richtung Halle, ab und an wechselte der Radweg die Flussseite, zumeist ging es für 50 Cent per Fähre rübber und nübber.
Es war ein richtig entspannter Radeltag bis Halle, nur bei Brachwitz überholte mich ein Rentnerehepaar mit eBikes, ich brachte sie auf und zum Sturz, er in  eine Hecke, sie in den Fluss, ich glaube aber, sie konnte schwimmen, aber die Hecke war dornig…
Die Ausschilderung von Fernradwegen in Großstädten ist im Allgemeinen schlecht, so auch im an und für sich schönen Halle, ich geriet, mich auf dem Radwege wähnend, auf die Rabeninsel, ein schöner Rundkurs im Grünen, unterm strich ein ziemlicher Umweg.

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B2Als ob das nicht schon genug gewesen wäre war der Saaleradweg südlich von Halle gesperrt, die Umleitung aber zum Glück ausgeschildert:
An verkehrsreichen Bundesstraßen geführt fuhr ich ab kurz vor Schkopau wieder plastisch und elastisch am Fluss weiter.
Über Merseburg, Bad Dürenberg und Weißenfels kam ich so langsam in das Weinanbaugebiet an der Saale, aber es war sehr warm und es zog sich…
Um halb acht erreichte ich den Campingplatz von Naumburg, malerisch direkt an der Saale gelegen, mit schönem Biergarten, der war allerdings geschlossen (wegen Krankheit), jedoch wurde mir an der Rezeption eiskaltes Flaschenbier verkauft, so konnte ich mich beim Zeltaufbau von Innen kühlen, nach einer äußerlichen Dusche dinierte ich fürstlich in der naumburger Altstadt.

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