Liedfett: Diese Schmierlappen, verkackt bevor es losgeht, aber Punkt für Hamburg!

Berlins Kulturblogger N®¾ 1 ist zurück!:
Nach drei Wochen wieder in der Heimat wagte ich mich erstmals wieder in kulturelle Nachtleben, sogar in den mir inzwischen verhassten Prenzlauer Berg. Im Frannz Club der früher Franz Club hieß, mir und meinem entfernten Bekannten P. aus Strausberg war der Franz in den frühen 90ern unser Wohnzimmer, zu Zeiten als wir noch am Prenzlauer Berg wohnten und uns dort wohl fühlten und um diesen Schachtelsatz mal zu einem Ende zubringen, mein entfernter Bekannter P. aus Strausberg war gestern dabei.

Liedfett aus Hamburg, ich kannte die bisher nicht wirklich, vom Namen her denkt man eher an so nen Mittelalter Scheiß, aber das war’s ganz und gar nicht. Ihren Stil beschreiben sie selbst als aufgekratzten Hybrid aus Punk, Akustik-Pop, Sprechgesang und Liedermacher, ja kann man so sagen, sie singen über Liebe, Alkohol und die böse Welt. Die vier boten ein super Show, der Saal kochte, sogar ich wippte kurz mit dem Fuß, wir haben uns prächtig amüsiert und mächtig was weggebügelt.

Was deutschsprachige Musik betrifft, sind die Hochburgen eindeutig Berlin und Hamburg.
Liedfett, Punkt für Hamburg, aber Berlin führt natürlich immer noch haushoch.

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Ich – Pawlow! – Teil 2 wir es wohl nicht geben :-(

Eine kleine Anekdote aus der Zeit um die 2011er Berlin Wahl!

Irgendwie hatte ich mich an das Doppelgängerleben gewöhnt. Leider wird es wohl es keine Wiederauflage geben 😦

So eine Vorahnung hatte ich schon im Berliner Wahlkampf, aber so richtig los ging’s erst am Abend der Berliner Abgeordnetenhauswahl im Herbst 2011:

Meine Cousine P. rief mich mich begeistert an, ihr Mann A. habe mich im Fernsehen gesehen, als Mitglied der Fraktion der frisch ins Parlament gewählten Piraten. Ich musste sie enttäuschen, ich hatte die Piraten zwar gewählt, aber nicht selbst kandidiert.
Wie gesagt, so eine gewisse Ähnlichkeit zwischen mir und Pavel Mayer fiel mir schon Wahlkampf auf, der gute Pavel kandidierte auch direkt in meinem Wahlkreis Pankow, zog aber mit den gut 10% der Stimmen die er im Bezirk holte natürlich nicht als Direktkandidat, sondern über die Landesliste seiner Partei ins Abgeordnetenhaus ein.

Seitdem bin ich Doppelgänger, werde schon mal dann und wann angesprochen wie’s den so läuft im Abgeordnetenhaus, ich lasse die Leute in ihrem Glauben, gebe mich nicht als Tommy zu erkennen, mache mir beim Autogramme geben aber den Spass, Sätze wie „Für meine Wählerin mit den dicksten Titten – Dein Pawlow“ oder „Danke für das nervige Gespräch, der Pawlow!“ zu schreiben.
Ich alter Hund unterschreibe mit Pawlow, denn eigentlich ist mir Pavel ja nicht unsympathisch und ich möchte ihm nicht wirklich schaden.
Gestern wurde ich sogar interviewt als ich aus dem Supermarkt kam, ein Radiosender, ich musste improvisieren, sagte was zur Vorratsdatenspeicherung, dass ich da voll dafür sei weil wer sich nichts zu Schulden kommen lässt auch nichts zu befürchten hat; zudem können man die Datenspeicherung verhindern indem man zwei Meter dünnen Kupferdraht um das W-LAN-Kabel wickelt. Mist dachte ich hinterher, eigentlich ist mir Pavel ja nicht unsympathisch und ich möchte ihm nicht wirklich schaden, aber gesagt ist gesagt!

Ungerecht finde ich die Situation trotzdem, politisch habe ich mindestens so viel drauf wie Pavel, mich aber 1990 aus der Tagespolitik zurückgezogen. Meine damaligen Mitstreiter die dabei blieben sind, sind heute Abgeordnete in hessischen Provinzparlamenten, die allerdümmste von uns hat es sogar zur Oberbürgermeisterin in Gießen geschafft, naja, ein anderer strebt ganz noch oben im Hessenland…


Ich war aber nicht bereit meine Seele zu verkaufen, ziehe einen epikureischen Lebensstil vor!

Und! – Ich wurde schon mal im Spiegel interviewt, das kann Pavel nicht vorweisen, also eigentlich ist er mein Doppelgänger, eindeutig!
Anders würde es aussehen, wenn Pavel richtig durchstartet bei den Piraten, dann könnte ich ihn doubeln bei gefährlichen Auftritten in der Öffentlichkeit, mich statt seiner erschiessen lassen, man kennt das ja aus diversen Hollywoodfilmen.

Doch  bis dahin kämpfen wir an verschiedenen Fronten, ich als der führende Gentrificationforscher mit offenen Augen und Ohren in Prenzlauer Berg, er in Parlament und Piratenpartei, ich beneide ihn nicht.

Doch als letzten Sonntag Morgen das Telefon klingelte, träumte ich es wäre Pavel:
„Hey Tommy, ist so schönes Wetter heute, willst Du nicht für mich zur Wahl des Bundespräsidenten gehen? Ich hatte eine harte Woche und würde gerne mit meiner Familie raus ins Grüne fahren.“
„Klar Alter-Ego, kann ich schon mal machen, ich werde aber  Beate Klarsfeld wählen!“
„Das passt doch, wollte ich auch, dann komm rum, ich geb Dir meinen Ausweis und die Einladung.“
„Mach ich, bis gleich!“ 

Den ersten Entwurf dieses Blogartikels hatte ich schon länger in der Pipe, schon seit dem Wahlabend, der erste Entwurf hieß Das Doppelte Lottchen, aber ich möchte nicht, dass Leute mit diesem Namen glauben, ich würde sie in meinem Blog verwursten.

Size does matter! Mohn macht doof? … still matters …

Still matters! Nein, macht nicht doof, glaub ich!

Immer ein beliebtes Mitbringsel vom Prenzlberg.

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Tommy Berlin

IMG_20150213_124246Ich vermisse ja kaum etwas am Prenzlberg, aber wenn ich mich fast wöchentlich von meinem Gentrification-Zahnarzt quälen lasse suche ich den einen oder anderen Laden auf, für den ich in Rummelsburg oder im nahen Friedrichshain  noch keinen adäquaten Ersatz gefunden habe.

DSCN5889Im LSD-Viertel gibt es noch eine Original DDR Bäckerei, die macht richtig gute Sachen, auf dem Mohnkuchen sind sage und schreibe 6,72 cm Mohn, Schwangere sollten den wegen der Opiatreste meiden, ich meide ihn nicht.

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Weihnachtsgeschichte: Onkelpflichten 2015…

Nach ich 2010 und 2011 und 2012 und 2013 und 2014 Weihnachten in Berlin in aller Ruhe verbrachte begab es sich dieses Jahr, dass ich einem Stern bis in die alte hessische Heimat folgte und nun in der Provinz das Heuchlerfest überstehe.

MoToMeine liebe Nichte A. freut sich, habe wir uns doch im ablaufenden Jahr nur wenig gesehen. Seit ein paar Jahren lese ich ihr, um sie unweihnachtlich einzustimmen, am sogenannten Heiligabend eine Weihnachtsgeschichte vor, die letzten Jahre via Skype, diesmal LIVE. Mein anderthalbjähriger Neffe M. war diesmal auch dabei, zum zweiten Mal, ich denke, er hat nicht alles verstanden, aber den Spirit bekam er mit.
xr-sticker-2Das Vortragen dieser wahren Geschichte, die ich vor ein paar Jahren niederschrieb, wurde  zu einem festen Ritual für Nichte, Neffe und Onkel:

Donnerstag Abend kam ich nach einem verunglückten Blind Date gegen neun nach Hause. Als ich mein Treppenhaus betrat, hörte ich von irgendwo oben ein leises Schluchzen und Wimmern, ein Kind? So weit ich weiss, hat niemand in meinem Seitenflügel Kindschaft, hier wohnt nur Studentenpack und natürlich ich alter Sack. Komisch, dachte ich und stieg die Treppen hoch, in der dritten Etage hatte ich den Quell des Jammers immer noch nicht erreicht, es musste also von ganz oben bei mir kommen. Ich hielt kurz inne. Hatte ich unwissentlich irgendwann mal ein Kind gezeugt und nun hat‘s die Mutter bei mir abgelegt? Nein, es kann ja auch vor der Tür meiner Etagennachbarin liegen, aber die war nie schwanger, das hätte ich gesehen. Unsicher ging ich weiter, kurz bevor ich den letzten Treppenabsatz erreichte, ging das Flurlicht aus. Mist, jetzt musste ich mich im Dunklen zu meiner Wohnungstür und zur Geräuschquelle vortasten, ein wenig Angst hatte ich schon. Da lag jemand jammernd vor MEINER Tür, nicht vor der der Nachbarin, das Flennen war jetzt nahezu unerträglich laut. Vorsichtig ertastete ich den Lichtschalter, ich hielt die Luft an, drei-zwei-eins:

LICHT an!

Ein recht großes Kind lag zusammengekauert vor meiner Tür und machte die bereits beschriebenen Geräusche. Das Gesichtchen war vom weinen rot geschwollen, ich erkannte keine Ähnlichkeit mit meiner Person, gut, nicht meins, beruhigt und beruhigend sprach ich den Knaben an:

„Ja, wer bist Du denn und warum weinst Du denn so bitterlich?“
„Huähuäh!“

„Kannst Du schon sprechen?“
„Wäääääääää!!!!“

Jetzt sah ich, dass das Findelkind, das größte Findelkind der Welt, ein kleine Schachtel in der Hand hatte, die Schachtel schien sein größter Schatz zu sein. Vorsichtig versuchte ich, ihm die Schachtel wegzunehmen, vielleicht würde mich der Inhalt der Schachtel weiter bringen, aber der Kleine klammerte sich mit aller Kraft um die Schachtel und weinte noch bitterlicher.

„Hab keine Angst, ich tu Dir nichts. Der Onkel geht jetzt erstmal in seine Wohnung.“

Sollte ich die Polizei rufen? Nein, dann ist die Plage nachher dann doch von mir und ich hab auch noch Ärger mit den Bullen. Er weinte und weinte und klopfte an meine Tür.

„Willst Du mir jetzt sagen wie Du heisst?“
„Duast! Duaaast!“
„Duast, komischer Name, Hallo Duast, ich bin Onkel Tommy.“
„Nein, ich habe Durst!“

„Achso, soll ich Dir eine Limo bringen? Und sag mir doch bitte wie Du heißt.“
„Biar!“
„Auch kein wirklich schöner Name!“
„Will ein Bier! Huähuäh! “

Sein Mützchen war runtergerutscht als ich mit einem Bier aus der Küche zurück kam. Jetzt erkannte ich den Knaben, trotz seines verschwollenen Heulgesichts und den nassgeschwitzen roten Haaren:

Es war „der andere“

„Hast Du irgendwelche Drogen genommen! Der Stoff ist bestimmt in der Schachtel, los gib her!“

Mit einer Hand trank er hastig das Bier aus, mit dem Rest seines Körpers klammerte er sich um die Schachtel, aber er schien sich zu beruhigen. Nach vier Flaschen Bier schien er mir ansprechbar.

„Nun sag schon, was hast Du genommen? Pilze? Was Chemisches?“

Er wollte was sagen, hatte aber Schluckauf und seine Emotionen kamen wieder hoch, er fing an zu hyperventilieren. Ich zog ihm eine Plastiktüte über den Kopf, das soll man machen wenn jemand hyperventiliert, hatte ich mal gehört.
Das Telefon klingelte, es war Gerontus, er hatte sich gerade einen neuen Computer gekauft und ein paar Fragen zur Inbetriebnahme des Gerätes. Er kennt sich mit neuen Technologien wirklich überhaupt nicht aus, aber bei heutigen Geräten ist das Betriebssystem schon vorinstalliert und ich konnte ihm relativ schnell erklären, wie er die Kiste zum laufen bringt, nach kurzer Zeit rief er die erste Email ab. Ja irgendwann ergeben sich auch die schlimmsten Skeptiker dem Druck, den die Internetgesellschaft ausübt nach, darüber machte ich mich natürlich lustig.

Oje, „der andere“ lag ja noch draussen. Mist, ich lief hin und riss ihm die Plastiktüte vom Kopf, er war blau im Gesicht, sah aus wie ein Schlumpf, er weinte nicht mehr, aber er atmete noch. Bewusstlos wie er war klammerte er sich immer noch um seine Schachtel und er hatte sich in die Hose gemacht, das kann bei drohendem Erstickungstot schon mal passieren, hatte ich mal gehört. Ich zog ihn an den Füssen in mein Bad, hievte ihn in die Wanne und duschte ihn kalt, er roch unangenehm. Ich streute Waschpulver auf seine vollgepisste Hose.
Jetzt kam er zu sich, ich duschte ihn langsam warm, gab ihm ein Handtuch und suchte ein paar alte Klamotten von mir raus die er anziehen konnte.
Irgendwann kam er dann mit einer viel zu weiten und viel zu kurzen Hose aus dem Bad, die jetzt nasse Schachtel in der Hand und immer noch am heulen, wenn auch nicht mehr ganz so heftig.

„Los „Du anderer“, nun sprich, was is los?“
„Mein Skorpion Nanz ist ganz schlimm krank!“

Er reichte mir die Schachtel rüber. Wenn ich vorher nicht gewusst hatte, wie ein halb verwester Skorpion riecht, jetzt wusste ich es.

„Dein Skorpion ist nicht krank, er ist tot!“
„Nein?“

„Doch, tot! TOT! TOT! TOT!“

Er flennte wieder heftiger los. Mir war ja schon immer klar, dass „der andere“ eine Memme war, aber das es so schlimm war, alle Achtung!

Nach zehn Minuten:

„Ist er wirklich tot?“
„Ja!“
„Ist er jetzt im Himmel?“

Auweia, hatte er im Religionsunterricht nicht aufgepasst? Aber um die Flennerei nicht erneut anzuheizen ging ich auf ihn ein:

„Ja klar, er war doch immer ein braver Skorpion, er ist jetzt bestimmt im Skorpion-Himmel!“
„Komme ich auch mal in den Skorpion-Himmel?“ Er weinte nur noch leicht.

„Nein, Du kommst erstmal ́ne Zeit lang in die Hölle und dann vielleicht mal in den Memmenhimmel:“
„Was ist der Memmenhimmel?“
„Der Himmel in den Du vielleicht mal kommst wenn Du Deine Sünden in der Hölle abgesessen hast.“

„Achso…???“

Er hatte keine Kraft mehr zum Heulen, ich legte ihn auf mein Sofa, deckte ihn samt Schachtel zu. Nach wenigen Minuten war er eingeschlafen.

Am nächsten Morgen war er dann schon etwas gefasster. Seine Klamotten waren inzwischen auf der Heizung getrocknet, wir frühstückten.

„Ich möchte den Skorpion beerdigen, mit Dir!“
Was hatte ich ihm denn getan?

„Aber ich lebe doch noch, warum willst Du mich auch beerdigen?“
„Du sollst der Pfarrer sein!“
„Achso?“ Fragte ich beruhigt.

„Du hältst doch eine schöne Predigt?“
„Ja!“
„Und Du bist Dir sicher, dass er wirklich tot ist?“
„Gaaanz sicher!“
„Und wir legen noch eine Heuschrecke in den Sarg, ja?“
„Warum denn das? Er ist doch tot.“
„Damit er im Skorpion-Himmel was zum Essen hat.“
„Meinetwegen…“ Und wenn das ganze vorbei ist, gehe ich mit ihm mal zum Psychologen, dachte ich.

„der andere“ ging in den Zooladen um die Heuschrecke zu kaufen und ich bereitete die Beerdigung vor. Ich schrieb meine Predigt, zog schwarze Sachen und meinen weissen Rollkragenpullover an, er kam mit einer Heuschrecke zurück. So langsam schien er wieder der alte „der andere“ zu werden. Gegen zwei wollten wir los, Nanz, den toten Skorpion auf meinem Hinterhof beerdigen.

„Schmulik und Conception sollen mitkommen, die waren Freunde von Nanz.“

Er hatte Recht, meine beiden Schlangen kannten das tote Viech, er hatte es im Sommer mal für ein paar Wochen bei mir in Pflege gegeben.

„Nein „anderer,“ dass geht nicht, es ist zu kalt für die Schlangen auf meinem Hinterhof.“
„Wo? Wo? WO?“
„Auf dem Skorpion-Friedhof auf dem Hinterhof, da ist es zu kalt für zwei Schlangen!“
„Aber ich will Trauergäste haben haben haben…“

Er stampfte mit dem Fuß auf.
Mir wurde es langsam zu bunt, trotz Weihnachtszeit.

„Nein, Basta! Die Schlangen bleiben im Warmen! Mach die Heuschrecke kalt, leg sie zum toten Skorpion in den Sarg und dann gehen wir runter zur Beerdigung.“
„Skorpione essen nur lebende Heuschrecken!“

„Aber Dein Skorpion ist auch tot! … Ach, mach doch was Du willst …“

Wir packten alle Beedigungsuntensilien zusammen, ich war froh, dass er nicht auch noch auf Musik bestand. Hoffend, dass wir bei der Beerdigung keine Nachbarn von mir treffen würden, zogen wir los, peinlicher geht‘s ja wohl nicht. Aber auf dem Hinterhof parkte Samantha aus dem Vorderhaus gerade ihr Rad mit dem besonders überbreiten Kleinkindanhänger ein. Ihre vier Jahre alten eineiigen Drillinge saßen noch im Hänger und schrieen vor Freunde als sie mich sahen. Samantha ist alleinerziehende Mutter und von Beruf Flugbegleiterin, ab und an stelle ich den dreien Essen und frisches Wasser rein, wenn sie mal wieder ein paar Tage on air ist. Klaus-Bärbel, Gillette und Jennifer-Jens, die drei sind Hermaphroditen, sprangen aus dem Hänger und begrüßten mich innigst. Süss sahen sie aus in ihren rosa-hellblauen Designerklamotten in die Samantha sie immer steckt.

„Was machst Du mit dem Heulmann?“
„Wir wollen seinen Skorpion beerdigen.“
„Warum?“
„Weil er gestorben ist.“
„Was ist gestorben?“
„Wenn man tot ist! Was das genau ist, das erklärt Euch Eure Mutter gerne.“
„Wir wollen auch den Skorpion mit beerdigen.“

Haustiere dienen ja auch dazu, Kindern den Tod begreiflich zu machen, ich warf Samantha einen Blick zu, wir verstanden uns, sie willigte ein. So hatten wir doch noch vier Trauergäste. Es war nicht meine erste Beerdigung, aber meine erste als Pfarrer und ich muss sagen, es war nicht die schlechteste Beerdigung.

Hinterher kauften wir Kuchen und machten dann noch zu sechst eine kleine Trauerfeier in meiner Küche. „der andere“ musste zwar noch ab und an weinen, aber es war ein schöner Nachmittag.

„Heiratest Du mich wenn ich groß bin?“ Fragte Gillette, das fragt er mich seit sie sprechen kann.
„Sicher, wenn diese Gesetzeslücke bis dahin geschlossen ist.“ So antwortete ich immer auf diese Frage meines lieblings Drillings.

Die drei Kleinen fanden die Beerdigung toll. Sie haben Schnecken als Haustiere, Samantha meint, die zwittrigen Weichtiere sind die idealen Spielgefährten für die drei Hermaphroditen. Montag wollen sie eine Schnecke totmachen, ich soll sie dann als Pfarrer beerdigen.

Ich stehe vor einer großen Karriere als Beerdiger von Wirbellosen.

So verging die Zeit, die Kleinen wurden müde und ihre Mutter zog mit den dreien ab. Auch „der andere“ hatte sich gefangen und brach auf.

„DU BIST MEIN BESTER FREUND, TOMMY!“
„Du mich auch, mach ́s gut!“

Wir drückten uns.

Abends ging ich noch in eine Kneipe um die Ecke. Ich saß mit einem sehr alten Mann an der Theke, gab ihm ein Bier aus, wir stießen an, der Schaum blieb in seinem weissen Rauschebart hängen, er lächelte mild, schien mich zu kennen.

„Tommy, Du bist ein guter Mensch, wenn Du mal ein Job brauchst, ruf mich an!“

Er gab mir seine Karte, zog seinen schweren roten Mantel an und ging.

Ich wünsche allen Lesern meines Blogs schöne freie Tage!

Alte Vorsätze fürs neue Jahr: 2010!

Bildschirmfoto 2015-01-01 um 13.19.51Dieses Jahr habe ich mir nichts vorgenommen, gar nix, ich mach was ich mach. Naja, doch, werde in allem ein wenig konsequenter sein, Sachen und auch Leute die mir auf den Senkel gehen werde ich aus meinem Leben tilgen, nicht vorsätzlich, aber grundsätzlich.

2010 war das anders, ich poste es hier erneut, im Moment lesen sehr viel Leute mein Blog, mag am komischen Wetter da Draußen liegen, zu Belohnung gibt’s heute wieder meine Vorsatzfilme von 2010:

Man, wie die Zeit vergeht, schon 5 Jahre her – und wie albern ich damals war…

Weihnachtsgeschichte: Onkelpflichten …

xr-sticker-2Wie schon 2010 und 2011 und 2012 und 2013 verbringe ich auch dieses Jahr Weihnachten in Berlin, in aller Ruhe, bis auf ein Glühweinmeeting auf dem Weihnachtsmarkt in Gießen habe ich nichts unternommen und an nichts teilgenommen was dem Heuchlerfest entgegen kommt.
Außerdem habe ich dieses Jahr sagen wir mal eine Tannenbaumallergie, ich bekomme Pickel in den Nasenschleimhäuten wenn ich einem ermordeten Baum in trockener Heizungsluft ausgesetzt bin, vorsichtshalber werde ich niemanden besuchen der einen abgesägten mit Müll behängten Nadelbaum sein Eigen nennt.

Meine liebe Nichte A. habe ich schon vergangenes Wochenende besucht, denn Weihnachten dreht sie immer frei. Seit ein paar Jahren lese ich ihr, um sie unweihnachtlich einzustimmen, am sogenannten Heiligabend eine Weihnachtsgeschichte vor, via Skype. Mein halbjähriger Neffe M. war diesmal auch dabei, zum ersten Mal, ich denke, er hat nicht alles verstanden, aber den Spirit bekam er mit.

Foto am 24.12.14 um 20.21 #2Das Vortragen dieser wahren Geschichte, die ich vor ein paar Jahren niederschrieb, wurde  zu einem festen Ritual für Nichte und Onkel an Weihnachten (und bald wird sie es auch zwischen Onkel und Neffen sein), so langsam versteht A. auch den Inhalt:

Donnerstag Abend kam ich nach einem verunglückten Blind Date gegen neun nach Hause. Als ich mein Treppenhaus betrat, hörte ich von irgendwo oben ein leises Schluchzen und Wimmern, ein Kind? So weit ich weiss, hat niemand in meinem Seitenflügel Kindschaft, hier wohnt nur Studentenpack und natürlich ich alter Sack. Komisch, dachte ich und stieg die Treppen hoch, in der dritten Etage hatte ich den Quell des Jammers immer noch nicht erreicht, es musste also von ganz oben bei mir kommen. Ich hielt kurz inne. Hatte ich unwissentlich irgendwann mal ein Kind gezeugt und nun hat‘s die Mutter bei mir abgelegt? Nein, es kann ja auch vor der Tür meiner Etagennachbarin liegen, aber die war nie schwanger, das hätte ich gesehen. Unsicher ging ich weiter, kurz bevor ich den letzten Treppenabsatz erreichte, ging das Flurlicht aus. Mist, jetzt musste ich mich im Dunklen zu meiner Wohnungstür und zur Geräuschquelle vortasten, ein wenig Angst hatte ich schon. Da lag jemand jammernd vor MEINER Tür, nicht vor der der Nachbarin, das Flennen war jetzt nahezu unerträglich laut. Vorsichtig ertastete ich den Lichtschalter, ich hielt die Luft an, drei-zwei-eins:

LICHT an!

Ein recht großes Kind lag zusammengekauert vor meiner Tür und machte die bereits beschriebenen Geräusche. Das Gesichtchen war vom weinen rot geschwollen, ich erkannte keine Ähnlichkeit mit meiner Person, gut, nicht meins, beruhigt und beruhigend sprach ich den Knaben an:

„Ja, wer bist Du denn und warum weinst Du denn so bitterlich?“
„Huähuäh!“
„Kannst Du schon sprechen?“
„Wäääääääää!!!!“

Jetzt sah ich, dass das Findelkind, das größte Findelkind der Welt, ein kleine Schachtel in der Hand hatte, die Schachtel schien sein größter Schatz zu sein. Vorsichtig versuchte ich, ihm die Schachtel wegzunehmen, vielleicht würde mich der Inhalt der Schachtel weiter bringen, aber der Kleine klammerte sich mit aller Kraft um die Schachtel und weinte noch bitterlicher.

„Hab keine Angst, ich tu Dir nichts. Der Onkel geht jetzt erstmal in seine Wohnung.“

Sollte ich die Polizei rufen? Nein, dann ist die Plage nachher dann doch von mir und ich hab auch noch Ärger mit den Bullen. Er weinte und weinte und klopfte an meine Tür.

„Willst Du mir jetzt sagen wie Du heisst?“
„Duast! Duaaast!“
„Duast, komischer Name, Hallo Duast, ich bin Onkel Tommy.“
„Nein, ich habe Durst!“
„Achso, soll ich Dir eine Limo bringen? Und sag mir doch bitte wie Du heißt.“
„Biar!“
„Auch kein wirklich schöner Name!“
„Will ein Bier! Huähuäh! “

Sein Mützchen war runtergerutscht als ich mit einem Bier aus der Küche zurück kam. Jetzt erkannte ich den Knaben, trotz seines verschwollenen Heulgesichts und den nassgeschwitzen roten Haaren:

Es war „der andere“

„Hast Du irgendwelche Drogen genommen! Der Stoff ist bestimmt in der Schachtel, los gib her!“

Mit einer Hand trank er hastig das Bier aus, mit dem Rest seines Körpers klammerte er sich um die Schachtel, aber er schien sich zu beruhigen. Nach vier Flaschen Bier schien er mir ansprechbar.

„Nun sag schon, was hast Du genommen? Pilze? Was Chemisches?“

Er wollte was sagen, aber hatte Schluckauf und seine Emotionen kamen wieder hoch, er fing an zu hyperventilieren. Ich zog ihm eine Plastiktüte über den Kopf, das soll man machen wenn jemand hyperventiliert, hatte ich mal gehört.
Das Telefon klingelte, es war Gerontus, er hatte sich gerade einen neuen Computer gekauft und ein paar Fragen zur Inbetriebnahme des Gerätes. Er kennt sich mit neuen Technologien wirklich überhaupt nicht aus, aber bei heutigen Geräten ist das Betriebssystem schon vorinstalliert und ich konnte ihm relativ schnell erklären, wie er die Kiste zum laufen bringt, nach kurzer Zeit rief er die erste Email ab. Ja irgendwann ergeben sich auch die schlimmsten Skeptiker dem Druck, den die Internetgesellschaft ausübt nach, darüber machte ich mich natürlich lustig.

Oje, „der andere“ lag ja noch draussen. Mist, ich lief hin und riss ihm die Plastiktüte vom Kopf, er war blau im Gesicht, sah aus wie ein Schlumpf, er weinte nicht mehr, aber er atmete noch. Bewusstlos wie er war klammerte er sich immer noch um seine Schachtel und er hatte sich in die Hose gemacht, das kann bei drohendem Erstickungstot schon mal passieren, hatte ich mal gehört. Ich zog ihn an den Füssen in mein Bad, hievte ihn in die Wanne und duschte ihn kalt, er roch unangenehm. Ich streute Waschpulver auf seine vollgepisste Hose.
Jetzt kam er zu sich, ich duschte ihn langsam warm, gab ihm ein Handtuch und suchte ein paar alte Klamotten von mir raus die er anziehen konnte.
Irgendwann kam er dann mit einer viel zu weiten und viel zu kurzen Hose aus dem Bad, die jetzt nasse Schachtel in der Hand und immer noch am heulen, wenn auch nicht mehr ganz so heftig.

„Los „Du anderer“, nun sprich, was is los?“
„Mein Skorpion Nanz ist ganz schlimm krank!“

Er reichte mir die Schachtel rüber. Wenn ich vorher nicht gewusst hatte, wie ein halb verwester Skorpion riecht, jetzt wusste ich es.

„Dein Skorpion ist nicht krank, er ist tot!“
„Nein?“
„Doch, tot! TOT! TOT! TOT!“

Er flennte wieder heftiger los. Mir war ja schon immer klar, dass „der andere“ eine Memme war, aber das es so schlimm war, alle Achtung!

Nach zehn Minuten:

„Ist er wirklich tot?“
„Ja!“
„Ist er jetzt im Himmel?“

Auweia, hatte er im Religionsunterricht nicht aufgepasst? Aber um die Flennerei nicht erneut anzuheizen ging ich auf ihn ein:

„Ja klar, er war doch immer ein braver Skorpion, er ist jetzt bestimmt im Skorpion-Himmel!“
„Komme ich auch mal in den Skorpion-Himmel?“Er weinte nur noch leicht.
„Nein, Du kommst erstmal ́ne Zeit lang in die Hölle und dann vielleicht mal in den Memmenhimmel:“
„Was ist der Memmenhimmel?“
„Der Himmel in den Du vielleicht mal kommst wenn Du Deine Sünden in der Hölle abgesessen hast.“
„Achso…???“

Er hatte keine Kraft mehr zum Heulen, ich legte ihn auf mein Sofa, deckte ihn samt Schachtel zu. Nach wenigen Minuten war er eingeschlafen.

Am nächsten Morgen war er dann schon etwas gefasster. Seine Klamotten waren inzwischen auf der Heizung getrocknet, wir frühstückten.

„Ich möchte den Skorpion beerdigen, mit Dir!“
Was hatte ich ihm denn getan?
„Aber ich lebe doch noch, warum willst Du mich auch beerdigen?“
„Du sollst der Pfarrer sein!“
„Achso?“ Fragte ich beruhigt.
„Du hältst doch eine schöne Predigt?“
„Ja!“
„Und Du bist Dir sicher, dass er wirklich tot ist?“
„Gaaanz sicher!“
„Und wir legen noch eine Heuschrecke in den Sarg, ja?“
„Warum denn das? Er ist doch tot.“
„Damit er im Skorpion-Himmel was zum Essen hat.“
„Meinetwegen…“ Und wenn das ganze vorbei ist, gehe ich mit ihm mal zum Psychologen, dachte ich.

„der andere“ ging in den Zooladen um die Heuschrecke zu kaufen und ich bereitete die Beerdigung vor. Ich schrieb meine Predigt, zog schwarze Sachen und meinen weissen Rollkragenpullover an, er kam mit einer Heuschrecke zurück. So langsam schien er wieder der alte „der andere“ zu werden. Gegen zwei wollten wir los, Nanz, den toten Skorpion auf meinem Hinterhof beerdigen.

„Schmulik und Conception sollen mitkommen, die waren Freunde von Nanz.“

Er hatte Recht, meine beiden Schlangen kannten das tote Viech, er hatte es im Sommer mal für ein paar Wochen bei mir in Pflege gegeben.

„Nein „anderer,“ dass geht nicht, es ist zu kalt für die Schlangen auf meinem Hinterhof.“
„Wo? Wo? WO?“
„Auf dem Skorpion-Friedhof auf dem Hinterhof, da ist es zu kalt für zwei Schlangen!“
„Aber ich will Trauergäste haben haben haben…“
Er stampfte mit dem Fuß auf.
Mir wurde es langsam zu bunt, trotz Weihnachtszeit.

„Nein, Basta! Die Schlangen bleiben im Warmen! Mach die Heuschrecke kalt, leg sie zum toten Skorpion in den Sarg und dann gehen wir runter zur Beerdigung.“
„Skorpione essen nur lebende Heuschrecken!“
„Aber Dein Skorpion ist auch tot! … Ach, mach doch was Du willst …“

Wir packten alle Beedigungsuntensilien zusammen, ich war froh, dass er nicht auch noch auf Musik bestand. Hoffend, dass wir bei der Beerdigung keine Nachbarn von mir treffen würden, zogen wir los, peinlicher geht‘s ja wohl nicht. Aber auf dem Hinterhof parkte Samantha aus dem Vorderhaus gerade ihr Rad mit dem besonders überbreiten Kleinkindanhänger ein. Ihre vier Jahre alten eineiigen Drillinge saßen noch im Hänger und schrieen vor Freunde als sie mich sahen. Samantha ist alleinerziehende Mutter und von Beruf Flugbegleiterin, ab und an stelle ich den dreien Essen und frisches Wasser rein, wenn sie mal wieder ein paar Tage on air ist. Klaus-Bärbel, Gillette und Jennifer-Jens, die drei sind Hermaphroditen, sprangen aus dem Hänger und begrüßten mich innigst. Süss sahen sie aus in ihren rosa-hellblauen Designerklamotten in die Samantha sie immer steckt.

„Was machst Du mit dem Heulmann?“
„Wir wollen seinen Skorpion beerdigen.“
„Warum?“
„Weil er gestorben ist.“
„Was ist gestorben?“
„Wenn man tot ist! Was das genau ist, das erklärt Euch Eure Mutter gerne.“
„Wir wollen auch den Skorpion mit beerdigen.“

Haustiere dienen ja auch dazu, Kindern den Tod begreiflich zu machen, ich warf Samantha einen Blick zu, wir verstanden uns, sie willigte ein. So hatten wir doch noch vier Trauergäste. Es war nicht meine erste Beerdigung, aber meine erste als Pfarrer und ich muss sagen, es war nicht die schlechteste Beerdigung.

Hinterher kauften wir Kuchen und machten dann noch zu sechst eine kleine Trauerfeier in meiner Küche. „der andere“ musste zwar noch ab und an weinen, aber es war ein schöner Nachmittag.

„Heiratest Du mich wenn ich groß bin?“ Fragte Gillette, das fragt er mich seit sie sprechen kann.
„Sicher, wenn diese Gesetzeslücke bis dahin geschlossen ist.“ So antwortete ich immer auf diese Frage meines lieblings Drillings.

Die drei Kleinen fanden die Beerdigung toll. Sie haben Schnecken als Haustiere, Samantha meint, die zwittrigen Weichtiere sind die idealen Spielgefährten für die drei Hermaphroditen. Montag wollen sie eine Schnecke totmachen, ich soll sie dann als Pfarrer beerdigen.

Ich stehe vor einer großen Karriere als Beerdiger von Wirbellosen.

So verging die Zeit, die Kleinen wurden müde und ihre Mutter zog mit den dreien ab. Auch „der andere“ hatte sich gefangen und brach auf.

„DU BIST MEIN BESTER FREUND, TOMMY!“
„Du mich auch, mach ́s gut!“

Wir drückten uns.

Abends ging ich noch in eine Kneipe um die Ecke. Ich saß mit einem sehr alten Mann an der Theke, gab ihm ein Bier aus, wir stießen an, der Schaum blieb in seinem weissen Rauschebart hängen, er lächelte mild, schien mich zu kennen.

„Tommy, Du bist ein guter Mensch, wenn Du mal ein Job brauchst, ruf mich an!“

Er gab mir seine Karte, zog seinen schweren roten Mantel an und ging.

Ich wünsche allen Lesern meines Blogs schöne freie Tage!

Verliebte Fahrräder!

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Ich war mit Gerontus am Prenzlberg einen heben, wir guggten Leute. Ein Hipster-Pärchen parkte seine Räder in unser Blickfeld, nicht schlimm, der Audi war schlimmer, wir überlegten, ob wir ihn anzünden.
Man sagt ja oft, dass Hund und Herrchen sich im Laufe der Zeit physiognomisch annähern, bei den Hipstern und ihren Rädern war es ähnlich, beide Pärchen wirkten verliebt – Gerontus und ich waren gerührt.