Bernd Begemann (begleitet von Kai Dorenkamp) – Was macht Miss Juni im Dezember…?

Skuriles stand an am späten Freitagabend im Quasimodo:

Bernd Begemann, am Piano begleitet von Kai Dorenkamp. Ein wenig anders als mit seiner Band Die Befreiung, aber in jedem Fall keine leicht Kost.
Eventim ist nicht BabyWalz, deshalb sponserte meine beste schwäbische Freundin L. mein Ticket mit 5€ (und stellt somit sicher, dass sie auch momentan noch hier erwähnt wird 😉 ).

Mein beste thüringerische Freundin J. begleitete mich, vertraute mir blind was meinen Musikgeschmack betrifft, ich hatte so meine Bedenken, ob das in diesem Fall auch eine Übereinstimmung mit ihrem Geschmack ist.

Aber zum Glück lag ich falsch – J. fand den skurrilen in Hamburg lebenden Bad Salzuflener genau so amüsant wie ich. Schon einzigartig wie Begemann Mimik und Gestik einsetzt. Seine Texte im ersten Moment straingdsch anmutend, treffen aber das Leben auf den Punkt, man erkennt seinen Einfluss auf die Hamburger Schule. Wenn ich Musiker wäre, wäre ich ähnlich, nein ich wäre genau so! Die Musik untermalt das Ganze normalerweise, gestern spielten aber Dorenkamps Pianokünste eine bedeutende Rolle. Das komplette Publikum im kleinen Jazz-Clubs am Bahnhof Zoo war zufrieden.

Direkter Vergleich mit der Dorenkamp-Version:

Mit diesem Freddy Quinn Cover nahmen Begemann und Dirk Darmstädter am Bundesvision Song Contest 2010 in Berlin für Niedersachsen teil. Sie belegten dort allerdings nur den letzten Platz, was mir total unverständlich ist

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Freitag am Dienstag!

Gerne erinnere ich mich an die Zeit in der es keine Comedians sondern nur Kabarettisten gab. Besonders mochte ich damals Thomas Freitag, ich erinnere ihn als einen der jungen Wilden im Umfeld von Dieter Hildebrandt und Hanns Dieter Hüsch. Inzwischen bin ich kein Teenager mehr und Thomas Freitag ist Mitte 60, die Politiker, die er so toll parodieren konnte sind alle tot.

Trotzdem ergriff ich die Gelegenheit und entschied mich bei den mir monatlich zustehenden Freikarten für seinen gestrigen Auftritt bei den Wühlmäusen. Meine beste thüringerische Freundin kam gerne mit obwohl sie mit Freitag nichts anfangen konnte.

Ich bin mir nicht sicher ob Freitag schlechter geworden ist oder ob er sich einfach nur der vermeintlichen Senilität des mitgealterten Publikums angepasst hat? Vermutlich beides, sein Programm fand ich einerseits ganz gut, viele Gags waren jedoch sehr flach, wir wussten da oft schon nach dem ersten Halbsatz die Pointe.

Das galt aber nicht für alle im Publikum:
Direkt hinter uns saß der frühpensionierte charlottenburger Postbeamte im mittleren Dienst Eckhardt Ramsch (62) mit seiner zweiten Frau Inge (59). Es war nicht zum Aushalten, frühestens zehn Sekunden nach jeder Pointe brach bei den Ramschs schallendes Gelächter aus, dazu wurden noch einzelne Wörter der Pointe wiederholt, oft verknüpft mit superlativierenden Adjektiven wie „Haha, die EU, geil, haha!“

Wie gesagt, es war nicht zum Aushalten, wir gingen zur Pause, hauptsächlich wegen Eckhardt und Inge Ramsch, Thomas Freitag hätte verdient, dass wir geblieben wären.

Bauerfeind: Ein Tick zu lieb!

Sie ist super witzig, hat eine enorme Ausstrahlung, aber ein Ticket für Carolin Kebukus für 50€ würde ich einer Freikarte für Katrin Bauernfeind vorziehen.

Aber beginnen wir von vorne, das hier soll kein Verriss werden, ganz im Gegenteil.

Um mit auf ein langes Wochenende in Baden-Würtemberg vor zu bereiten besuchte ich gestern die Vorpremiere von Bauerfeinds kommenden Programm zum Thema Liebe im Mehringhof-Theater. Die Schwäbin aus Aalen kennt man nicht erst durch Auftritte bei Harald Schmidt und Stefan Raab, mir fiel sie schon bei Ehrensenf Anfang des Jahrtausends auf.

Bauerfeind ist rhetorisch fast perfekt, eine super Moderatorin, schauspielert und kann auch sehr witzig sein. Bei gestrigen Programm ging es also um die Liebe, somir mehr um ein weiches Thema. Da wo es politisch wurde, betonte sie harmonisch das Gemeinsame in einer demokratischen Gesellschaft, ja war ok, brauch ich aber nicht unbedingt wenn ich in ein Comedy-Programm gehe. Der Mehrheit des Publikums, Kreuzbergs verbürgerlichte Grüne (Kreuzberg 61 halt, vorher war ich übrigens bei Curry 36, aber die heißen nur so wegen der Hausnummer und nicht weil sie in Kreuzberg 36 sind) mochte das und auch als Pausenprogramm für einen CDU-Parteitag ist das Programm geeignet (CSU eher nicht).
Aber ich will nicht meckern, habe mich unterm Strich köstlich amüsiert.

Die Kebekus mag ich übrigens auch mehr, wie ihr Vorname mit C wie Carolin geschrieben wird, nicht mit K wie Katrin. Ich finde, Frauenamen mit einem stimmlichen K sehen mit C geschrieben einfach besser aus.

Cornelia, Camilla, Cosma, Cerstin, Cudrun…

Catrin Bauernfeind versus eine Karolin Kebekus, hmm, das wäre ein Patt.

Shahak Shapira: German Humor & Holyge Bimbel!

Vor 15 Jahren zog Shahak Shapira mit seiner Familie von Israel in ein Dorf in Sachsen Anhalt – das war sicher hart!
Als die Partei Die Partei kurz vor der letzten Bundestagswahl 31 Facebookgruppen der AfD übernahm war er das Gesicht der Partei – wegen ihm habe ich Die Partei gewählt.
Schon vorher erregte er mit seinem Projekt Yolocaust Aufsehen, hier montierte er Menschen, die am berliner Holocaust Mahnmal aufgenommene Selfies online gestellt hatten in historische Bilder  die den Holocaust zeigen, um auf dem verantworungslosen Umgang vieler Menschen mit dem Thema aufmerksam zu machen.

Gestern trat er im Admiralspalast auf, der so Humor richtig hart, kaum Tabus, Neonazis und andere Spacken bekamen ihr Fett ab – genau mein Ding, ich habe mir zwei Stunden den Bauch vor Lachen gehalten, kaufte gar ein Buch und ließ es auch noch signieren – das letzte Mal machte ich das bei Rüdiger Nehberg.

 

Thomas Spitzer!

Thomas Spitzer (* 29. September 1988 in Freiburg im Breisgau) ist ein deutscher Autor, Poetry Slammer und Veranstalter, das behauptet zumindest Wikipedia. Mir war der Jungspund ehe ich an die Karten rankam unbekannt, meinem ältesten berliner Freund M. ging es ebenso, Spitzer könnte sein Ur-Enkel sein.

Poetry Slammer gab es eben nicht als wir beide jung waren:
Ein Poetry Slammer ist ein Comedian der seine Texte nicht auswendig kann der gegen andere Poetry Slammer im Wettbewerb antritt, klärte ich M. im Vorfeld auf.


Gestern war es dann also kein Poetry Slam, er trat alleine an.
Das ging nicht 100%ig gut, zum einen war das Publikum ein anderes (älteres) als es der gemein Slammer gewohnt ist, er nannte uns Kabarett-Publikum. Im ersten Teil monologisierte Spitzer, die Pointen waren rar und nicht so die Lautlachpointen, aber feingeistig. Die 25% des Publikums die feingeistige Pointen nicht verstanden gingen, M. und ich blieben.

Nach der Pause war es dann auch besser, er las Texte, ja das hatte was. Insgesamt gefiel es uns – Note 3, hätte ich für die Tickets zahlen müssen hätte ich mich vielleicht ein ganz klein wenig geärgert.

Schweizer Nachwuchs!

Michael Elsener kommt aus der Schweiz, ist noch sehr jung (Anfang 30) ist Comedian oder Kabarettist oder beides. Er tritt zur Zeit im Kookaburra auf und ich bin mit meinem ältesten berliner Freund M. hin.

Es war Donnerstag, das Kookaburra war leider nicht gut besucht, aber wir befanden ihn für gut. Hoffentlich hat er bei seinen folgenden Auftritten den qualitativen Zuspruch bekommen den er verdient.

Das neue Wühlmäuse Ensemble – braucht kein Mensch! (Wir hätten bei Nic Cester bleiben sollen)

So ist das manchmal, vorher geht man wohin wo es nachher besser war. So war es auch am Dienstag mit meinem ältesten berliner Freund M:

Wir nahmen ein paar Vorglüh-Bier in der RadioEins Dachlounge im RBB-Gebäude und gingen dann zum Hauptprogramm des Abends rüber zu Die Wühlmäuse. Denen hat Chef Didi Hallervorden nach 80 Jahren wieder eine eigenes Ensemble spendiert, das klang zunächst mal interessant, war es aber nicht.

Die erste Programmhälfte war ein kalter Aufguss von Nichts, Pointen für Rentner die sich zu Dutzenden im nicht ausverkauften Haus tummelten. Politisches Kabarett komplett ohne aktuellen Bezug, naja nicht ganz, einmal wurde Jamaica gesagt, vermutlich stand das schon vorher im Text. Nachdem Pausenbier wurden es etwas besser oder wir waren einfach nur betrunkener? Wer von meinen berliner Lesern Freunde oder Verwandte ärgern will möge ihnen zu Weihnachten Karten für das neue Wühlmäuse Ensemble schenken.

Wären wir mal in der Dachlounge geblieben, dort sahen wir Nic Cester für sein anschließendes Lounge-Konzert proben, ja genau, den kennt man von Jet: