Liedfett: Diese Schmierlappen, verkackt bevor es losgeht, aber Punkt für Hamburg!

Berlins Kulturblogger N®¾ 1 ist zurück!:
Nach drei Wochen wieder in der Heimat wagte ich mich erstmals wieder in kulturelle Nachtleben, sogar in den mir inzwischen verhassten Prenzlauer Berg. Im Frannz Club der früher Franz Club hieß, mir und meinem entfernten Bekannten P. aus Strausberg war der Franz in den frühen 90ern unser Wohnzimmer, zu Zeiten als wir noch am Prenzlauer Berg wohnten und uns dort wohl fühlten und um diesen Schachtelsatz mal zu einem Ende zubringen, mein entfernter Bekannter P. aus Strausberg war gestern dabei.

Liedfett aus Hamburg, ich kannte die bisher nicht wirklich, vom Namen her denkt man eher an so nen Mittelalter Scheiß, aber das war’s ganz und gar nicht. Ihren Stil beschreiben sie selbst als aufgekratzten Hybrid aus Punk, Akustik-Pop, Sprechgesang und Liedermacher, ja kann man so sagen, sie singen über Liebe, Alkohol und die böse Welt. Die vier boten ein super Show, der Saal kochte, sogar ich wippte kurz mit dem Fuß, wir haben uns prächtig amüsiert und mächtig was weggebügelt.

Was deutschsprachige Musik betrifft, sind die Hochburgen eindeutig Berlin und Hamburg.
Liedfett, Punkt für Hamburg, aber Berlin führt natürlich immer noch haushoch.

Kammerspielabend!

Mit meiner schlauesten mecklenburg-vorpommerischen Freundin Dr. M. V.-H. suchte ich den Kammermusiksaal der Philharmonie auf: Wir hatten beide den Sonntag zu Hause gearbeitet.

“Jetzt ist aber Schluss mit arbeiten, jetzt gibt’s Kultur – Entspannung pur!” leitete Dr. M. V.-H. den Abend ein. Ich ging kurz Bier holen, als ich zurück kam hatte die praktizierende Deutschlehrerin schon drei Rechtschreibfehler im Konzertprogramm gefunden und rot angemarkert …

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Das Programm war solide, Duo Essen an den Geigen fehlte ein wenig die Lockerheit, das vierhändige Klavierspiel von Duo Vidid dagegen war sehr ansprechend. Es gab übrigens

  • J. Haydn Duo for 2 Violins op.99 No.3
  • L. v. Beethoven Adagio cantabile for Violin and Viola from ‘Pathetique’ Sonata (Arr.Chong Park)
  • L. v. Beethoven Sonata for Violin and Piano No.6 in A Major op.30 No.1
  • C. Debussy Sonata for Violin and Piano
  • C. Saint-Saens Dance Macabre for Piano 4 hands (Arr.Duo Vivid)Chong Park Variations & Thema of M. Rabvel’s Pavane for Dead Princess for Violin and Viola
  • M. Ravel Bolero for Piano 4 hands (Arr.Duo Vivid)

Also Sachen die jeder kennen sollte, Bolero for Piano war Schluss- und Höhepunkt!

Das auf dem Video war zwar nicht dabei, vermittelt aber einen guten Eindruck:

Es traten an: Berlinale v/s Theatersport!

Es gibt Massenauftriebe in Berlin, auf die kann ich getrost verzichten:

-Grüne Woche – da war ich noch nie!
-Funkausstellung – in den 90ern war ich mal da, Proletenberliner sammeln alles ein was es an den Ständen umsonst gibt!
-Fanmeilen – habe nicht einmal dran gedacht, hinzugehen!
-Hertha BSC – kotz, aber klar geh ich hin wenn sie gegen die Eintracht spielen um sie verlieren zu sehen!
-Venus Erotikmesse – pfui Teufel!*

-Berlinale -Die Filme die sich lohnen kommen eh irgendwann im Kino,** ja, ich spiele, obwohl ich überdurchschnittlich intelligent und gebildet bin, gerne mal den Kulturbanausen. Ich war aber 1997 schonmal mit meiner Kommilitonin S. auf der Berlinale, Fräulein Stillas Gespür für Schnee, toller Film! Nun wollte mich meine beste thüringerische Freundin J. erneut begeistern!

* naja, ok, ich habe eine Dekadendauerkarte, aber wegen der Berlinale-Kritik löse ich eh schon einen Shitstorm aus
**meine Mutter selig hätte gesagt „Die Filme die wo sich zu gugge lohne komme eh irgendwann im Fernsehen, da geb‘ ich doch ka‘ Geld aus!“

Aber von vorne:

Montag aber war ich, ebenfalls mit meiner besten thüringerischen Freundin J., beim Theatersport im BKA Theater. Unter dem BKA ist bekanntlich Curry36, da kann man sich bei der Kälte eine Currywurst holen und sie im benachbarten Vogt’s Bierexpress essen wenn man ein Bier dazu bestellt, ja, sowas gibt’s noch!

Theatersport ist eine Variante des Improvisationstheaters, zwei 2erTeams traten gegeneinander an, moderiert von Moderator Justin Case und musikalisch von Andy Tasten am Keyboard begleitet, ich glaube die Namen sind Künstlernamen. Wie auch immer, die Darsteller waren nicht unbegabt (wie so oft beim Improtheater), konnten spiele, singen und Tanzen – es waren zwei sehr unterhaltsame Stunden.

Gestern dan Berlinale: 

J. hatte einen Film aus dem Internationalen Forum ausgewählt. Tinselwood, ein französischer Dokumentarfilm, eine filmische Annäherung an den Südosten Kameruns, der Trailer ist garnicht mal schlecht. Schöne Naturbilder und Leute in ihrer Welt, nicht unsympathisch, aber es muss gesagt werden, der Film war stinklangweilig und die anschließende Diskussion mit französischen Regisseurin und dem Kameramann war Hurz, die ehemalige Kolonie Kamerun hat einen solchen Schnarchfilm nicht verdient!

The Riptide Movement!

Ich gehe gerne und oft auf Konzerte, normalerweise zu Bands wo ich mag und gut kenne, auch mal zu Interpreten, die ich beim zufälligen Hören neu entdecke oder ich gewinne Freikarten (hier gehe ich nicht wahllos hin, sondern höre vorher rein).

Sehr selten folge ich Konzerttipps im Radio, ich meine die redaktionellen Tipps, nicht die „Radioblabla präsentiert“ Konzerte, denen folge ich wenn ich die Bands mag und gut kenne…


Hier schließt sich der Kreis, also, ich war bei „The Riptide Movement“ – das Clubkonzert im Musik und Frieden an der Oberbaumbrücke wurde bei RadioEins besprochen und zwar so, dass ich Tränen in den Augen hatte: Der Sänger erzählte im Interview, dass seine Großmutter seinem Großvater einst ein Liebesgedicht zur Hochzeit schrieb. Jahrzehnte später trug der Sänger das Gedicht bei der Hochzeit seiner Schwester vor und fast genau 70Jahre nach der Hochzeit seiner Großeltern machte er einen Song daraus, der auf dem aktuellen Album „Ghosts“ finden ist. Die Hörproben sprachen mich auch an und so fragte ich meine beste thüringerische Freundin J. ob sie mitkommen würde.

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Wollte sie nicht, auch sonst keiner den ich fragte, also ging ich alleine.

Im Vorprogramm eine Irish Folk Duo, ganz nett. Dann die Dubliner, sie waren gut, sahen aber ziemlich hipstermäßig aus. Aber mit gefiel es, genau wie den etwa hundert anderen Zuschauern im Club, Frauenüberschuss, ja war auch schon irgendwie Muschimusik!

In Irland sind die Jungs übrigens sehr bekannt, meine Arbeitskollegen aus Irland kannten die, meinten aber, die seien aus Lucan, nicht aus Dublin – und die können auch Stadion:

Von Wegen Lisbeth!

Böse Zungen behaupten, ich hätte in Von Wegen Lisbeths Video „Wenn Du tanzt“ mitgespielt, böse Zungen liegen jetzt im Krankenhaus…

Im Lido war Teenieband-Tag, neben mir noch ein oder zwei andere Gäste die wahlberechtigt waren. Aber egal, ich bin offen, auch für die Musik jüngerer Bands.

Als Opener Giant Rooks aus Hamm, voll die Pickel-Teenies, aber nicht unbegabt.

Aber ich war ja wegen Von Wegen Lisbeth dort, die Berliner gründeten sich 2016 als Schülerband unter dem Namen Fluchtweg und habe 2016 mehr oder weniger den Durchbruch geschafft. Flotte Musik, Indie-Pop könnte man es nennen, sehr gute und intelligente Texte, ich war zufrieden…

Nein, ich spiele wirklich nicht in diesem Video mit!

SCHNAUZE!

 

Aufruhr in den Augen!

Gestern Abend war ich mit meinem besten oranienburger Freund O. samt Partnerin A. im Kesselhaus der Kulturbrauerei:

Pankow – Aufruhr in den Augen reloaded!

Die Band um die 60, kein Wunder, es ging ja um das 30jährige Jubiläum des letzten zu DDR-Zeiten veröffentlichten Albums der Band. Das Publikum auch so ab 44 aufwärts, jüngere Besucher waren in Begleitung ihrer Eltern.
Das Konzert war solide gut, André Herzberg und Jürgen Ehle die Stammköpfe, verstärkt durch Drummer Stefan Dohanetz und Gitarrist André Drechsler und als Engerling Leihgabe Boddi Bodag an den Tasten.
Da gibt’s nichts zu bereuen, solider Samstag Abend Unterhaltung 🙂

 

Germania – böse Architektur!

Was wäre wenn Hitler den zweiten Weltkrieg gewonnen hätte? Ok, das sollte man sich besser nicht vorstellen, die Welt ist eh schon schlimm genug dran.

Architektonisch gab es konkrete Pläne, da muss man nicht viel spekulieren. Die Arbeiten zum Umbau Berlins zur Welthauptstadt Germania hatten im Dritten Reich unter Albert Speer schon begonnen, aber viel davon ist zum Glück nicht mehr übrig.

Der Verein Berliner Unterwelten e.V. veranstaltet nicht nur empfehlenswerte unterirdische Stadtführungen, er betreibt im U-Bahnhof Gesundbrunnen auch eine Ausstellung zu den Germania Plänen der Nazis. Dort war ich gestern mit meiner besten thüringerischen Freundin J.

Es war winterlich kalt in den Ausstellungsräumen und zusätzlich lief uns der kalte Schauer den Rücken herunter als wir uns vorstellten, das Berlin heute so aussehen würde.

Wer es doch noch gruseliger möchte, dem sei der Roman Vaterland von Robert Harris empfohlen. Der Krimi spielt in Germania/Berlin in einer Nachkriegsordnung, die davon ausgeht, dass Nazideutschland den Krieg zumindest teilweise gewonnen hat. Man kann darüber streiten, ob so eine Fiktion sein muss, Vaterland ist aber kein Pro-Drittes Reich Roman, der Protagonist kommt auch den Verbrechen der Nazis auf die Spur…

Auch wenn man wie ich Rudger Hauer nicht mag, in der Rolle des SS-Obersturmbannführers Xaver März brilliert er zwar nicht, aber er passt ganz gut.
Den ganzen Film gibt’s hier: