Detroit Cobras? Naja…

Die Konzertwoche fand ihren Abschluss im Heimathafen Neukölln:

Detroit Cobras, die Lieblingsband von Frau N., von ihr kam auch der Vorschlag. Die Band aus Michigan covert hauptsächlich Motown-, R’n’B- und Rock’n’Roll- Hits und das eigentlich nicht mal schlecht…

… aber gestern hatten sie dann doch wohl eher ihren schlechten Tag. Anfangs drängelten sich die Leute direkt vor der Bühne, aber es wurde dann vor Stück zu Stück leerer. Aber ok, besser als zu Hause zu hocken, aber auch kein Grund an dieser Stelle viele Zeilen zu schreiben. Die Vorband war ganz gut.

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Ezra Furman: Laut und anstrengend, aber gut!

Ich betrat ein wenig missgelaunt den Festsaal Kreuzberg, der sich inzwischen im Ex-White-Trash am Areal von Arena, Badeschiff und Co. auf treptower Territorium befindet. Die Blechhalle hat eigentlich nichts, aber dafür zieht es und an der Garderobe arbeiten die langsamsten Studenten Berlins.
Der Raum mit der Bühne macht einen etwas besseren Eindruck, zwar zog es auch, aber die Temperatur wurde erträglicher je mehr sich der Raum füllte, das Publikum wärmte sich also selbst. Auch die Bedienstudenten an der Bar zeigten eine bessere Performance als ihre Kommilitonen an der Garderobe, so gesehen hatte der Veranstalter das vorhandene Personal doch optimal verteilt.

Meine Missmutigkeit war dann auch nach dem ersten Bier verflogen, ich war halt ein wenig müde vom Altern, von der Arbeit und dem spontanen Besuch des Basketball Bundesliga Spiels der Albatrosse gegen Oldenburg am Abend zuvor (Alba gewann 91:83), aber darum geht es ja nicht, sondern um

Ezra Furman

Der aus Chicago stammende Musiker stellte sein neues siebtes Album Transangelic Exodus vor, ein vielseitiges Werk, seine Band The Visions ganz in weiss, kam mir vor wie eine Mini-Bigband, Furman selbst a bit cross-dressed, verheimlicht seine Bi-Sexualität nicht, ganz im Gegenteil.

Musikalisch ein Wellenritt – teils schreit er förmlich ins Mikro, dann wieder geht es mehr bedächtig Singer-Songwriter-mäßig zu, anschließend hört es sich wieder an wie klassischer Rock ’n’ Roll.

Also nicht unanstrengend aber gut, mal fühlte ich mit an Dylan erinnert, mal an Rocky Horror Show, Rufus Wainwright, Beach Boys und dann wieder klingt er fast nach Springsteen – stilistisch ein ständiges Hin und Her und am Ende ein Kate Bush Cover.

Eigentlich gefiel es mir, aber ob ich ihn unbedingt nochmal live sehen muss weiss ich nicht, eigentlich reichen mir im Moment die Alben oder, naja, wer weiss, Furman ist gerade mal Anfang 30…

Kettcar – warum war ich vorher nie auf einem Konzert?

Als im Oktober letzten Jahres ihr neues Werk Ich vs. Wir rauskam hörte ich das Album durch, rief meinen entfernten Bekannte P. in Strausberg an und fragte ihn, ob ich ihm auch eine Karte fürs anstehende Konzert in der Columbiahalle besorgen soll – die Antwort war JA.
Gestern war es dann endlich so weit.

Kettcar, die Band um Marcus Wiebusch, dem Mann mit der unbeschreiblichen Stimme, oh man, die gib’s schon seit 2001 und mehr als ab und an mal Graceland und so im Radio hören war bis Ich vs. Wir meine einzige musikalischen Auseinandersetzung mit der Band, P. ging es ähnlich – aber besser spät als nie.

Die Vorband, ich glaube die hießen Sold Out 😉 ,  war eher blass.

Doch Kettcar, nach einer gefühlt endlosen Umbaupause, endlich auf der Bühne hatten eine unbeschreiblich Bühnenpräsenz:
Selbstbewusst kamen Graceland und der aktuelle Hit Sommer ’89 relativ am Anfang,  doch auch danach weiter jedes Lied großartig, super Sound und Licht, Sequenzen aus den jeweiligen Video ergänzen viel Stücke, das Publikum (also alle außer P. und mir) kannte alle Texte auswendig und ging voll mit (P. und ich auch, aber textunsicher). Es war das letzte Konzert der Tour, wohl deshalb gab es ein oder zwei Zugaben mehr.

Fazit: Note 1 – bisher das Konzert des Jahres!

Auch dieser grandiose hip-hopige Song von Wiebuschs Solo-Album Konfetti war auf der Playlist des Gigs:

 

From Funk Rock Georgia, I present to you: Mother’s Finest!

From Funk Rock Georgia… so wird die Band bei Konzerten angesagt und los geht’s. Mother’s Finest machen Funk-Rock-Soul-Crossover, Crossover ehe der Begriff Crossover überhaupt etabliert war. Funk mag ich ja ab und an mal ganz gerne, aber erst gekreuzt mit Rock kribbelt’s bis in die Eichelspitze.
Seit 1970 (Auflösung 1983, Re-Birth 1989) gibt es die Formation. Ich sah sie bisher einmal beim Lahnwiesenfest(ival) in Gießen, 1989 muss das gewesen sein, ein Wahnsinns Konzert in einem Zelt, es hatte die Tage zuvor geregnet und wir standen bis zu den Knöcheln im Matsch. Mit mir unterwegs waren meine beste frankfurter Freundin B. und mein damaliger Busenfreund M. M. und ich hatten ein Faible für gute Musik und Getränke, bei letzterem zügelte ich mich irgendwann, M. nicht, seine Leber gab vergangenes Jahr den Geist auf – RIP M.
Das 79er Live Album der Band ist das Vinyl, das bei mir am häufigsten auf dem Teller lag.

Letztes Jahr wollte ich die Band dann live sehen, tja, da kam mir eine Grippe dazwischen, ich wurde nicht mal mehr die Karte los.

Gestern dann ein erfolgreicher Konzertbesuch, gleicher Monat, gleicher Location, sogar der Ticketpreis war identisch.
Die Köpfe der Band „Baby Jean“ Kennedy (Gesang), ihr Mann „Doc“ Murdock (Gesang) und der Gitarrist „Moses Mo“ Moore sind noch dabei, nicht mehr ganz so frisch die drei, Baby Jean ist inzwischen 70, die anderen mindestens auch. Ein Doomsday Konzert also, hingehen so lange es die Band noch gibt 😉

In Anbetracht des Alters aller Beteiligten (Band und Publikum) war es ein tolles Konzert, alle Hits wurden präsentiert, Erinnerungen wurden wach!

 

Shahak Shapira: German Humor & Holyge Bimbel!

Vor 15 Jahren zog Shahak Shapira mit seiner Familie von Israel in ein Dorf in Sachsen Anhalt – das war sicher hart!
Als die Partei Die Partei kurz vor der letzten Bundestagswahl 31 Facebookgruppen der AfD übernahm war er das Gesicht der Partei – wegen ihm habe ich Die Partei gewählt.
Schon vorher erregte er mit seinem Projekt Yolocaust Aufsehen, hier montierte er Menschen, die am berliner Holocaust Mahnmal aufgenommene Selfies online gestellt hatten in historische Bilder  die den Holocaust zeigen, um auf dem verantworungslosen Umgang vieler Menschen mit dem Thema aufmerksam zu machen.

Gestern trat er im Admiralspalast auf, der so Humor richtig hart, kaum Tabus, Neonazis und andere Spacken bekamen ihr Fett ab – genau mein Ding, ich habe mir zwei Stunden den Bauch vor Lachen gehalten, kaufte gar ein Buch und ließ es auch noch signieren – das letzte Mal machte ich das bei Rüdiger Nehberg.

 

Reingehen: Three Billboards Outside Ebbing, Missouri!

Der Film wurde von meiner Begleitung H. vorgeschlagen, der Titel sagte mir nichts und ich war vorher skeptisch. Bestimmt wieder einer von diesen total deprimierenden Streifen die irgendwo im Nirgendwo der USA spielen, diesmal sogar richtig im Nirgendwo, Ebbing, Missouri gibt es nicht.

Der Film ist nicht deprimierend, es gibt viel zu lachen über Dinge über die man eigentlich heulen müsste. Eigentlich gute Menschen tun Dinge, die unglaublich sind,  Gewalt, die im jeweiligen Moment verständlich ist und witzig wirkt. Aber immer stellte man ich mir auch die Frage wie es dazu kommen konnte.* Am Ende hat man sogar ein wenig Hoffnung, das in den USA noch alles gut werden könnte.

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Guter Film, brillante Schauspieler, allen voran Frances McDormand (seit Burn After Reading liebe ich sie)  und Sam Rockwell (spielt im Film einen der schrägsten Charaktere ever) – Note 2plus, ihm, neu 1minus – warten wir mal auf die Oscar Verleihung.

*nein, die Frage stelle ich mir natürlich nicht, aber das klingt dann mehr nach Filmkritiker

 

 

Thomas Spitzer!

Thomas Spitzer (* 29. September 1988 in Freiburg im Breisgau) ist ein deutscher Autor, Poetry Slammer und Veranstalter, das behauptet zumindest Wikipedia. Mir war der Jungspund ehe ich an die Karten rankam unbekannt, meinem ältesten berliner Freund M. ging es ebenso, Spitzer könnte sein Ur-Enkel sein.

Poetry Slammer gab es eben nicht als wir beide jung waren:
Ein Poetry Slammer ist ein Comedian der seine Texte nicht auswendig kann der gegen andere Poetry Slammer im Wettbewerb antritt, klärte ich M. im Vorfeld auf.


Gestern war es dann also kein Poetry Slam, er trat alleine an.
Das ging nicht 100%ig gut, zum einen war das Publikum ein anderes (älteres) als es der gemein Slammer gewohnt ist, er nannte uns Kabarett-Publikum. Im ersten Teil monologisierte Spitzer, die Pointen waren rar und nicht so die Lautlachpointen, aber feingeistig. Die 25% des Publikums die feingeistige Pointen nicht verstanden gingen, M. und ich blieben.

Nach der Pause war es dann auch besser, er las Texte, ja das hatte was. Insgesamt gefiel es uns – Note 3, hätte ich für die Tickets zahlen müssen hätte ich mich vielleicht ein ganz klein wenig geärgert.