Malle, gibt es ein richtiges Leben im Falschen? – Mein Auftrag: Die Wahrheit!

(Oh man, bin echt stolz auf die Artikelüberschrift)

Nun gehöre ich auch dazu, ich war auf Malle, natürlich nicht am Ballermann, das sagt jeder, glauben tut’s keiner. 

dscn9578„Malle ist eine sooo schöne Insel jenseits der Touristenzentren,“

auch so eine Ausrede dachte ich bisher.
Da ich für meinen Herbsturlaub keine besonderen Pläne hatte, entschied ich mich für Malle. Natürlich nicht am Ballermann, auch nicht pauschal und billig- die Herausforderung:

Kann man auf Mallorca noch individuell organisierten Aktivurlaub machen?

Für knapp 300€ buchte ich Flüge bei zwei Billigfliegern, da ist inzwischen alles non-inclusive, der Hinflieger setzt jetzt sogar zu alt gewordene Stewards und Stewardessen als Klofrauen ein, einmal „Klein“ in 10000 Metern Höhe kostet 2€, „Groß“ auch, komisch, ich verkniff mir beides und investigierte das Geld in einen Kaffee.
dscn9567Den ersten halben Tag plus Nacht verbrachte ich in der Hauptstadt Palma, hatte mir ein einfaches Einzelzimmer mit Frühstück im Hostal Ritzi in der Altstadt gebucht.
Palma gefiel mir, das Meer, der Hafen, die Kathedrale, die Altstadt, das Bier und das Essen.
Ok, ich musste mich für manche deutsche (und englische) Touristen fremd schämen, aber so ist das, kannmernixmachen!

Von Süden nach Norden!

Ich hatte mein gesamtes Gepäck schon in meine Fahrrad-Packtaschen vorgepackt und in einer alten großen Reisetasche nach Malle eingecheckt. Darum war es ganz easy am nächsten Morgen alles auf mein Miet-Treckingrad (101€ für 11 Tage) zu schnallen und los ging es:
Gen Osten auf dem etwas zu schmalen aber ansonsten gut ausgebauten Küstenradweg, Sauftouristen machen hier ihre Alibi-Radtouren von El Asocial nach Palma.
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Einmal kurz am Ballermann abgklatscht, dann auf Radwegen oder so ähnlichen Wegen gen Norden über Sant Jordi und sa Casa Blanca zum Töpferdorf sa Cabaneta und weiter nach Santa Maria de Cami.

dscn9587Von hier ging es durch die Kulturlandschaft des Cami Vell de Muro nach Costix. Nach insgesamt  70 Kilometern, einiger weniger Anstiege und Abfahrten, sehr heiß, windig, war ich froh als ich im Hotel Galileo unter der Dusche stand.

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In Costix war touristisch wenig los, ich war der einzige Tourist im einzigen Hotel und aß als einziger Tourist im einzigen Restaurant, zumindestens fühlte ich mich einzig. Ansonsten gab es eine Bar, das ganze Dorf guggte Champions League. Mein Zimmer war direkt gegenüber der Dorfkirche, die Uhr hatte zwar kein Zifferblatt mehr, schlug aber immer laut die Stunden, zum Glück nicht nach 12 und vor 7 Uhr, oder ich ab es einfach nicht gehört.
dscn9602Nach einem Frühstück im Café am Dorfplatz bruch ich am Donnerstag Morgen auf, gen Norden ging es über Sineu nach Muro. Fuck, Reifenpanne, an der Dorftanke fand ich einen schattigen Platz zu reparieren, Ersatzschlauch hatte ich dabei, der Schaden war in 14 Minuten behoben, nicht schlecht wenn man bedenkt, das ich mit dem Rad noch per sie war.
dscn9608Von Muro brach ich dann durch bis Can Picafort, GESCHAFFT!
Als erster meiner Familie die Süd-Nord-Querung Mallorcas per Rad!
Dann an der Küste weiter Richtung Nordosten gefühlte 1000 Kilometer durch immer gleiche Touristengegenden, Platja Del Muro, anscheinend der Ballermann des Nordens.
dscn9603Ich erreichte Alcudia, nette Altstadt mit Relikten aus der Römerzeit. Von hier war ich in 37 Minuten über den Küstenradweg in Port de Pollenca.
Ich checkte im Hostal Paris ein, ein wenig verwohnt und außer mir nur Engländer, zumeist auch Radtouristen in meiner Altersgruppe, aber mit Gepäcktransfer, es gab auch einen praktischen Fahrradabstellraum, ich mochte den Laden…
dscn9634Port de Polenca ist scheint’s einer der erträglicheren Badeorte, man kann dort einen Abend verbringen, ich uß hervorragend mallisch.
Freitag dann die erste knackige Tour ohne Gepäck zum Cap de Formentor und zurück, von der reinen Distanz waren es nur knappe 40 Kilometer, aber ein ständiger Wechsel von Anstiegen und Abfahrten, insgesamt 760 Höhenmeter auf und ab.
dscn9661Ich bin zwar ein ausdauernder Radfahrer, aber als Berliner hat man dann doch nicht so die Übung mit Bergen, hatte im Vorfeld überlegt ob ich jedes Wochenende den Berg im Volkspark Friedrichshain zehn Mal hoch und runter fahre, war wir aber dann zu blöd.
Auf jeden Fall war ich schon am Anfang kaputt als ich nach mehr als 200 Höhenmetern den Mirador de Colomer erreichte, die anschließende Abfahrt zum Cala Pi de la Posada fiel mir deutlich leichter. So ging es dann die insgesamt 19 Kilometer weiter auf und ab bis zum Leuchtturm an der Spitze des Cap de Formentors.
dscn9681Die Häfte der Strecke war geschafft, ich war am Ende, aber da der Zielpunkt auf 150 m über NN lag hatte ich zumindest die meisten Steigungen hinter mir – Belohnungsbier, aber nur ein kleines. Die Rückfahrt war wie die Hinfahrt, auslaugende Anstiege und traumhafte Abfahrten.

Badeurlaub?

Archivbild
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Ich war noch nie so die Strand- und Bademaus, wenn ich mich an einen Strand begebe, dann meist um mit dem Kajak ab oder an zu legen, da werfe ich mich nach einer anstrengenden Kajaktour auch schon mal ins erfrischende Nass.
Aber Strand als Urlaubszweck? Den ganzen Tag dumm rumliegen? Strand -da wird mir nach zehn Minuten langweilig, aber auch sowas von langweilig. Also meide ich Badestrände, im Gegensatz zu früher, da habe ich mich von der einen oder anderen Partnerin dazu nötigen lassen: Kos, Costa Brava, Incecum und andere Scheiss-Urlaube – wenn die Liebe dann vorbei war blieb mir nur ein weiterer Grund die Ex zu hassen, blöde Strandbratzen die 😉
Nach der Cap de Formentor Radtour hatte ich Zeit, also gab ich den Stränden Mallorcas vertreten durch den Port de Pollenca Hausstrand ein Chance:
dscn9691Nach zehn Minuten (davon 6 Minuten im Wasser, sauber aber zu flach zum schwümmen) wurde mir langweilig und ich ging, ließ mich in der Luft trocknen um das Handtuch nicht zu versalzen. Ich kann Strandurlauber echt nicht verstehen, legen sich den ganzen Tag wie usbekische Schleimlurche auf Sand oder Steine, beides ist Baumaterial, wenn man sie zwingen würde, ja dann, dann wär was los!Um das ganze mal klar zu rücken: Ich schwimme ganz gerne und weiß auch einen schönen Strand zu schätzen, diese zeichnen sich unter anderem dadurch aus, das sie (zumindest fast) menschenleer sind.

An der Serra de Tramuntana

dscn9693Samstag wieder Ortswechsel, nur knappe 40 Kilometer am Rand der Serra der Tramuntara, ein Radlerparadies, zunächst nach Pollenca, dann kurz hinter dem Ort rechts ab durchs Cami Vell de Pollenca bis Campanet, dann weiter über Moscari (hier uß ich Stockfischcroquetten) nach Caimari, zwei Tage ein Zimmer im malerischen Ca Sa Pesadora, 130€ mit Frühstück.
dscn9699Das ruhige Dorf Caimari am Rand der Serra de Tramatura und das Ca Sa Pesadora, ein kleines Finca Hotel mit nur vier Zimmern im Tal außerhalb des Dorfes, waren ein schöner Kontrast zu Port der Pollenca. Ich freundete mich ein wenig mit meinen Mitbewohnern B. und M. an, das französische Ehepaar, sympathische Alt-Linke, lebt in Paris und auf Ibiza und schaute sich nun mal Malle an. Ich erzählte ihnen, dass die Deutschen Mallorca Malle nennen, weil Urlaub am Ballermann krank ist.
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