Hochzeitsreise in den Harz!

Es war das Training für die Ende Mai/Anfang Juni geplante größere Radtour durch Deutschlands Mitte:

Berlin-Harz, um es mit den beiden Tagesetappen nicht zu übertreiben, plante ich ab Berlin Stadtrand, genauer gesagt ab Potsdam.
Der erste Tag lief eher teigig-dröge, ich kam frühs nicht in die Gänge, startete dann erst halb 12 in Potsdam, fand zunächst den Radweg Richtung Werder nicht- bis ich so richtig Fahrt aufnahm war es schon kurz nach 12.
IMG_1388 (2)DSCN6417 (1)Deshalb gönnte ich mir auf den 110 Kilometern Richtung Zerbst kaum Pausen, trank zu wenig, hatte eh schlecht Gefrühstückt und bekam dann als Quittung in Busendorf Krämpfe in der linken Oberkeule. Im nächsten Dorfkonsum kaufte ich Schokolade und 2 Liter isotonisches Limonadengetränk.
DSCN6399 (1)Dann ging es wieder und um 19 Uhr erreichte ich, jetzt begann es zu regnen, die idyllische Pension am Stadtrand in Zerbst, der Geburtsstadt des nervigen D., der mir immer wieder auf Partys begegnet und mir mit seinen langweiligen Lebensweisheiten die Ohren blutig stammelt.
DSCN6403Zerbst hatte wohl mal eine schöne Altstadt, die Reste davon wurden mit Plattenbauten ergänzt, was ästhetisch einigermaßen misslungen ist, keine Ahnung was die sich einst in der DDR bei sowas gedacht haben?

Am Maifeiertag fuhr ich weiter zur Elbfähre in Breitenhagen, die Fähre lag auf der anderen Seite des Ufers, ich rief:

DSCN6407„Fährmann! Fährmann! Fääähhrrrmann hol über!“* Die Fähre kam und brachte mich als einzigen Passagier für 1,50€ ins Linkselbische.

*alte Tradition

Einige Zeit später überquerte ich dann auch die Saale bei Calbe, diesmal aber via Brücke und dafür umsonst.

DSCN6416Weiter ging’s über die Dörfer nach Staßfurt, dem Ort an dem die DDR einst ihre 12000 Ostmark teuren Farbfernseher ohne Ton produzierte.

Durch ehemalige Tagebau Reviere, die inzwischen geflutet werden und seitdem dem Harzer Seenland heißen, erreichte ich am frühen Abend nach gut 100 Kilometern den Zielort Langenstein.

Bemerkenswert an den beiden Tagesetappen waren übrigens die örtlichen Patrouillenrentner, die es dort in jedem Dorf gibt:
Sie fahren auf alten Damenrädern mit wenig Luft, tragen Trainingsjacken aus Ballonseidenimmitat in den Modefarben von 1990, neugierig und nett wie sie sind, kann man sie gut nach dem Weg fragen.

DSCN6449Im Hotel Schäferhof, dem ersten und einzigen Haus in Langenstein, war von den Brautleuten ein Zimmer für mich reserviert, ich machte mich frisch und ehe die Hotelgaststätte um 20:45 schloss gönnte ich mir ein paar Liter Bier und zwei Pfund Spargel.

DSCN6428In Langenstein gibt es Höhlenwohnungen zu besichtigen, da wurde mir im Hinblick auf die Braut, die aus dem Harz stammt, im Nachhinein einiges klar.
Ehe am Samstag Abend das Hochzeitsfest seinen Gang nahm, brach ich per Velo Richtung Quedlinburg auf.

DSCN6436 (1)Zunächst erreichte ich Zwieberge, schaute mir die Gedänkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers an, in den die Nazis noch bis kurz vor Kriegsende von den Insassen eine unterirdische Rüstungsfabrik in die Harzfelsen graben ließen.

DSCN6443Die Überreste sind auch nach 70 Jahren noch sehr bedrückend, man erläuft die einzelnen Punkte des Lagers, Schautafeln erklären was geschah, Zitate von Häftlingen machen das Elend plastisch, die Massengräber zeigen die Dimension des Unrechts.

DSCN6452DSCN6451Aber es sollte ja ein Hochzeitswochende werden, ich fuhr weiter gen Quedlinburg, der Perle des Ostharzes.
Dort wurde den Hochzeitsgästen eine kundige Stadtführung geboten:

DSCN6467Die Stadt litt mehrere Jahrhunderte unter einem Matriarchat, das ist bis heute noch spürbar, da wurde mir im Hinblick auf die Braut, die aus dem Quedlinburg stammt, im Nachhinein einiges klar. Heute ist Quedlinburg UNESCO Weltkulturerbe, schön anzuschauen, es gibt überall guten Käsekuchen und eine hervorragende Gasthausbrauerei.

DSCN6460
Abends dann die Hochzeitsfeier, hervorragendes Essen, 1a Getränkeversorgung, vor allem die Obstbrände sind erwähnenswert. Die üblichen Reden, schlechte Musik und Spielchen hielten sich zu Glück in Grenzen, ich bin aus Datenschutzgründen zum Schweigen über weitere Details dieser Völlerei verpflichtet.

Bildschirmfoto 2015-05-03 um 18.00.57DSCN6412Nun sitze ich im Zug zurück nach Berlin, ich glaube der Rentner mir gegenüber ist gestorben, zumindest ist er nicht sehr gesprächig. Ah, er schnarcht (oder röchelt, das kann ich nicht genau sagen), also lebt er noch…

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