Urban Outdoor Equipment: Weithalstonne für Notfallevakuierungen, ein sperriges Weihnachtsgeschenk!

Jeder hat sie schon mal gesehen, in Outdoorläden gibt es sie zumeist mit einem eher säulenförmigen Korpus und mit rotem wasserdicht schließendem Deckel:

Weithalstonnen!

Sie sind praktisch, aber ich hatte bisher keine, Kanadierfahrer haben Weithalstonnen, man kann darin alles sicher und wasserdicht verstauen, wenn man ein wenig Luft drinne lässt schwimmen sie auch wenn der Kanadier absäuft, im Camp kann man sie dann auch als Sitzgelegenheit nutzen…
Kajakfahrer wie meinereiner bekommen die Teile nicht im Boot unter, bevorzugen wasserdichte Packsäcke, die tun ihren Zweck, sicher unter Deck verstaut sinken sie beim kentern nicht da das Boot wie in den meisten Fällen nicht sinkt, ich kentere zudem nie, echt!

Also warum die etwa 30€ für eine 30 Liter Tonne ausgeben wenn ich sie nicht wirklich brauche?
Für lau ist so ein Teil aber fein, und so freute ich mich als mir Freund Freund bei meinem Heidelbergbesuch am Wochenende so ein Behältnis schenkte, er arbeitet in der Lebensmittelindustriereinigungszuliefererbranche, dort sind die Tonnen ein Einwegprodukt, der Korpus eher ein Quader mit abgerundeten Ecken und der Deckel weiß statt rot, einmal benutzt und generalgereinigt.

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Sperrig ist so ein Teil natürlich schon, und verdächtig, dachte ich mir, ich befürchtete im öffentlichen Nah- und Fernverkehr Ärger zu bekommen, man könnte mich für einen Al Pegida Attentäter halten, die Tonne voll mit giftigen gasbildenden Chemikalien, Hass oder Biowaffen, sah mich schon im Verhörraum der Bundespolizei oder des Staatsschutzes Baden-Württemberg und mit Waterboarding versucht man Informationen über meine Hintermänner aus mir herauszuspülen, aber ich würde Freund Freund nie verraten, außer für Geld.
Zudem ist das Teil echt sperrig, ich vermutete dass es nicht in die Gepäckablage über den ICE-Plätzen passe, der ICE nach Berlin sei am Neujahrswochende sicher knackevoll, ich müsste die Tonne irgendwo im Gang abstellen was wiederum den Chemiewaffenverdacht provozieren würden, also wieder Waterboading … ein Teufelskreis! dachte ich mir als ich im Heidelberger Bahnhof auf meinen Zug wartete.

IMG_1337Sollte ich das Scheisteil einfach auf dem Bahnsteig stehen lassen? Freund Freund wird sicher nach dem Nutzwert der Tonne fragen und ich müsste ihn anlügen, was der sicher nicht merkt, aber ich lüge ungern.
Zudem war einfach stehen lassen war nach genauerer Analyse der Situation auch keine Lösung, überall Kameras am Bahnsteig, man würde die Tonne sicher erst recht für eine Islamistenbombe halten, man würde anhand der Überwachungskamerabilder eine Fahndung herausgeben, spätestens in Frankfurt würde ich verhaftet, also wieder Waterboading … ein Teufelskreis!
Ich hatte auch keine Zeit mehr einen Müllcontainer zu suchen, also musste ich da durch…
Eine junge hübsche Bundespolizistin lief an mir vorbei, in Uniform aber mit Reisetasche, also nicht im Dienst. Sie warf einen Blick auf meine Weithalstonne, ging aber weiter als wäre nichts, doch ich rechnete damit, dass sie ihre diensthabenden Kollegen kontaktiert, spätestens in Mannheim würde ich verhaftet, also wieder Waterboading … ein Teufelskreis!
Aber nein, keine Verhaftung in der S-Bahn bis Mannheim, doch ich rechnete immer noch mit Ärger im vollen ICE…
Der ICE kam pünktlich, war so gut wie leer, es war genügend Platz in den Gepäckzonen auf dem Boden und die Tonne passte sogar ins Gepäckfach über dem Sitz, so ein Dreck! Dann kam der Schaffner der im ICE Zugbegleiter heißt, der der vor jedem Bahnhofshalt auf Deutsch durchsagt wo man gleich ankommt und dann fünf Minuten vorliest, welche Anschlusszüge man noch erreicht und sich dann bei allen Aussteigenden die Deutsch können bedankt, dass mit der Deutschen Bahn gefahren sind, der der anschließend nicht nochmal das Gleiche auf Englisch macht sondern nur „We arriving now in a station, senk ju vor träwelling with Deutsche Bahn“ sagt und Englisch verstehnde Ausländer die auch umsteigen müssen könne dann sehen wie sie zurecht kommen, wobei sie das schlechte Englisch wahrscheinlich eh nicht verstehen.
Der Zugbegleiter warf einen Blick auf meine Tonne, fragte nicht was drin sei, hatte aber bestimmt schon den Bundespolizeinotfallknopf in seinem elektronischen Fahrkartenkontrollierer gedrückt, spätestens in Kassel würde ich verhaftet, also wieder Waterboading … ein Teufelskreis!
Aber nein, er meckerte rum: Ich wollte ihm das eTicket auf meinem iPad zeigen, er weigerte sich das zu scannen, das eTicket gelte nur auf Mobiltelefonen.

IMG_20150105_004246Zum Glück hatte ich die BahnalApp samt eTicket auch noch auf dem Handy, der Idiot scannte und war zufrieden und ich war mir sicher, dass er nicht die Bundespolizei informiert hatte, dann hätte er mich sicher nicht schikaniert sondern hätte das Weite und seine Gasmaske gesucht… Also leider keine Verhaftung in Kassel, ich war ein wenig enttäuscht, kam leider problemlos nach Berlin und in der Berliner S-Bahn interessiert eine Chemiebombe in einem Weithalsfass eh kein Schwein.

IMG_20150105_002817Und ich hatte mir so tolle Argumentationen überlegt und mir eigentlich den Anspruch auf Waterboarding und den Aufenthalt in einem geheimen CIA-Gefängnis im Vogelsberg verdient, endlich mal ein Märtyrer  sein, aber das war mir nicht gegönnt.

Von Göttingen bis Berlin fuhr mein Behältnis zweite Klasse auf dem Sitzplatz neben mir, wenn schon, denn schon!

 

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Doch woran lag’s, dass ich nicht verdächtigt wurde?

IMG_1221Ich hätte wohl meinen buschigen ISIS-Bart behalten sollen, im Zug hatte ich einen Kombibart, von rechts ein Polizistenoberlippenbart, von links ein Kinnbart, beide habe ich nach dieser Bahnfahrt abgenommen, denn ich fühlte mich nicht ernst genommen…

Da ich die Weithalstonne zum Kajaken nicht gebrauchen kann mache ich sie zur Notfalltonne bei Evakuierungen, zum Beispiel wenn ein Attentäter mit einer total auffälligen Weithalsfassbombe nicht im Zug kontrolliert wurde, bin gerade an der Packliste für eine einwöchige Evakuierung:

  • 2 Einwegoveralls
  • 2 T-Shirts
  • 1 Unterhose
  • 1 warmer Pullover
  • Waschstasche
  • Outdoorhandtuch
  • Survival Handbuch
  • Zelt
  • Schlafsack
  • Isomatte
  • Wasserentkeimungstabletten
  • Campingkocher mit Brennstoff
  • Tütensuppen
  • Nudeln
  • Tomatenmark
  • Blocksalami
  • 1 Kg Gouda
  • Trockenobst
  • Multivitamintabletten
  • 3 Sixpack Radeberger
  • … und was noch so reingeht!

Die Tonne wird dann immer neben der Wohnungstür stehen, verderblicher Inhalt wird regelmäßig kontrolliert und ggf. ersetzt. Wenn ich verreise oder auch nur in Berlin bei Freunde besuche nehme ich die Tonne natürlich mit, man weiß ja nie…

 

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