Brot und Spielen!

Ich mag meinen Job und gehe im Allgemeinen gerne zur Arbeit, doch ist diese Arbeit mein Broterwerb, ich mache etwas:

-dass ich gut kann und wie ich meine erfolgreich!
-wovon ich gut leben kann, aber nicht reich werde!
-dass ich gerne mache, doch mein Lebensmittelpunkt ist woanders!

RaederimSchneeEin anderes Leben ist nur wenigen vergönnt, obwohl „vergönnt“ ist das falsche Wort, ein anderes Leben wird einem nicht aus Gunst gewährt, man muss es sich selbst schaffen in dem man die Leidenschaft die man für etwas hat in den Mittelpunkt seines Lebens stellt, es keinen Unterschied mehr im Empfinden von Arbeiten und Freizeit gibt und somit die Grenzen zwischen beidem schwinden.
Wem könnte ein solches Leben vergönnt sein?

-Müttern? Nein, die bilden sich das nur ein, Schuld daran sind die Hormone!
-Finanziell Reiche? Nein, sicher nicht, mit Geld kann man sich das nicht kaufen.
-Wirtschaftlich Erfolgreiche (als Untergruppe der finanziell Reichen)? Nein, hier kommen zwar zum materiellen Reichtum gegebenenfalls noch die Kicks des Erfolgs und der Macht dazu, aber bezahlt wird das letztlich mit innerer Armut!
-Künstler? Ja, Künstlern könnte das Gelingen, aber nur wirklichen Künstlern. Es sein mal kurz am Beispiel des Schauspielers erklärt: Die meisten die sich Schauspieler schimpfen sind eigentlich Darsteller, also zumeist Stümper die herzlos versuchen etwas dar zu stellen was sie nicht sind. Wahre Schauspieler hingegen sind im Moment des Spiels das was sie spielen, sie sind die Rolle.

2012_090Um einen solchen Künstler, eine wahren Schauspieler, für den es keine emotionale Trennung von Arbeit und  Freizeit mehr gibt sondern nur ein erfülltes Leben, soll es im Folgenden gehen:

IMG_0386Vorgestern war ich im Garn Theater, zum zweiten Mal in meinem kulturell reichhaltigen Leben.
Die Spielstätte wird seit 1987 von Adolfo Assor betrieben. Der aus Chile stammende Assor ist ein Schauspieler mit Leib und Seele, er hat sich mit seinem Theater, das er im Alleinbetrieb betreibt, einen Lebenstraum erfüllt.
Das Garn Theater ist keine pompöse Spielstätte sondern im eher muchteligen Keller eines Altbaus in  der kreuzberger Katzbachstrasse, man friert im Sommer wie im Winter.
IMG_0389Das Vorführraum ist klein und selten sind alle der wenigen Plätze besetzt, Bühnenbild und Beleuchtung sind selbstgebaut, ein Gasofen bemüht sich leise rauschend, doch sogar ich nahm mir eine der Decken die über jedem Stuhl hängt. Der Eintritt kostest maximal 11 Euro, wobei ein Großteil des Publikums aus Mitgliedern meines Ticketclubs und anderen Nichts- und Wenigzahlern besteht. Es gibt Supermarktpils und andere Getränke für maximal einen Euro, nicht an einer Theke, man greift sich die Flasche und wirft die Münzen in eine Kasse des Vertrauens.
IMG_0388Nicht das allerschönste Ambiente, doch wenn Adolfo Assor die Bühne betritt dann ist er sofort in seiner Rolle, wird selbst zum Protagonisten und genießt hinterher den Applaus und die Anerkennung der wenigen Gäste.

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Darum beneide ich ihn, er hat es geschafft, das was er tut erfüllt ihn, er macht seine Leidenschaft zu seinem Leben! Ob ich das auch noch schaffe?

Es wurde übrigens der Großinquisitor gegeben, frei nach Dostojevskij:

„…ein angespannter Dialog mit einem imaginären Gegenüber…
…ein Prozess voll vehementer Anschuldigungen:
Die gesamte Menschheit sei zur Freiheit verführt worden…
…das dadurch entstandene Leid sei unermesslich!
Daher wird der Verantwortliche zum Tode verurteilt:
angeklagt ist… Jesus Christus…
Die Zuschauer sind als Zeugen und Geschworene zu diesem Prozess eingeladen…“ (Adolfo Assor)

Durchaus keine leicht Kost, ich war  müde und unkonzentriert, legte meinen Aufmerksamkeitsfokus mehr auf die Darstellung als auf den Inhalt.

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