Wie Mac Taylor von CSI:New York P.s Leben auf dem Rennsteig rettete!

Im Moment habe ich viel zu tun, also geht’s an’s Eingemachte:
Eine wahre Geschichte aus dem Jahr 2006, der eine oder die andere kennt sie vielleicht schon?

TV schaue ich wenig, aber ich liebe diese neuen amerikanischen Krimiserien, die realistisch jedes Detail eines Verbrechens zeigen.
Besonders angetan haben es mir Jerry Bruckheimers CSI Serien, insbesondere „CSI: New York“ – ich könnte Gary Sinise alias Mac Taylor stundenlang zuschauen, wie er einen Mörder anhand eines DNA-Moleküls oder einer Kunstfaser überführt.

Ich liebe „CSI:New York,“ aber noch mehr liebe ich die Natur:

Gemächliches sportliches Fortbewegen mit Boot, Rad oder zu Fuss zählt zu meinen Hobbys, Kajak fahren, Radtouren, Bergwandern, zur Not Mittelgebirgswandern.

P. teilt diese Vorlieben mit mir. Obwohl mein Verhältnis zu P. ab und an gespannt ist, so ein bis zweimal im Jahr machen wir eine Tour per Pedes, Rad oder Boot. Wir waren schon drei Wochen auf Korsika zum Wandern, eine Woche mit dem Kajak auf der Lahn, durchpaddelten die Grünheider Seenkette, fuhren mit dem Rad von Berlin nach Usedom, wanderten mehrmals in der sächsischen Schweiz und und und …

Mitte des letzten Jahrzehnts machte ich mit P. und zwei anderen Kumpels eine Rennsteigwanderung, von Alpha bis Omega, von Hörschel bei Eisenach bis Blankenstein (schon in Frankenwald, aber gehört noch zum Rennsteig) – 170 Kilometer, verteilt über Pfingsten 2005 und 2006.

Im ersten Jahr von Hörschel bis Oberhof, im Jahr zwei von Ilmenau, genauer gesagt Bahnhof Rennsteig, bis Blankenstein. So war das!

Rechnet man Pfingsten von Freitag Abend bis Montag Abend, so ging der Freitag für die Anreise und Begrüßungsbesäufnis drauf und der Montag Abend war stets Heimreise. Also blieben noch knapp drei komplette Wandertage pro Pfingsten, sechs Tage, so hatte wir pro Tag auf dem Rennsteig etwa 30 Kilometer zu bewältigen. Nicht wenig, doch die Stecke ist nicht schwer und wir schafften es trotz häufiger Einkehrpausen.

Wir übernachteten immer in kleinen Pensionen, Gasthäusern oder Hotels, in der Gegend noch locker für unter 20€ pro Nase die Nacht mit Frühstück zu kriegen, inklusive DDR-Authentizität, meistens.

Die Doppelzimmer waren immer gleich verteilt:
P. und U. in einem Zimmer, ich und K. im anderen. Das Ganze machte Sinn, P. schnarcht weltrekordverdächtig und U. ist hörgeschädigt. Hörgeschädigt ist vielleicht das falsche Wort, was einen Schaden hat war ja vorher in Ordnung, doch U.s Ohren waren das nie, er wurde fast taub geboren. Hörbehindert wäre ein Ausdruck meiner Wahl, aber das ist nicht p.c. Egal, auf jeden Fall nimmt der taube U. abends seine Hörgeräte raus und legt sie in ein Wasserglas und P. kann schnarchen so laut er will, U. hört’s nicht.
Ich nächtigte dann mit K., der  ist zwar ein Dummschwätzer, aber er spricht nicht im Schlaf.

So verlief alles friedlich ab in Jahr eins, auch die ersten beiden Nächte in Jahr zwei waren konfliktfrei da die Zimmerverteilung eingehalten wurde.

Die Dritte Übernachtung in Jahr zwei war in Steinbach am Wald vorgesehen, dort hatten wir eine echt gute Unterkunft aufgetan, Hotel Pension Rennsteig, ein etwas besseres Haus mit gutem angeschlossenen Restaurant, schließlich war es die finale Rennsteigübernachtung.

Der Laden war für den Preis echt gut und verwies  das Hotel Sonne in Ilmenau qualitativ und preislich mit weitem Abstand auf Platz zwei, von den anderen Absteigen die wir auf dem Rennsteig von Innen sahen muss ich an dieser Stelle nicht reden. So wichtig waren die Unterkünfte jedoch auch nicht, wir legten mehr Wert auf die Einkehrmöglichkeiten, bei Weitem mehr!

Die Etappe nach Steinbach am Wald war eine der längeren, wir lagen schon schlecht in der Zeit, das Bier in den Gasthäusern wurde umso besser, desto näher wir dem Frankenland kamen, das bremste uns aus.
Zudem war die ehemalige Zonengrenze zu sehen und teilweise zu besichtigen, auch mehr als zehn Jahre nach dem Mauerfall immer noch eine Narbe in der Landschaft.

Da U. und K. noch den Triniusblick mitnehmen wollten, P. und ich dagegen nicht, trennten sich unsere Wege für ein paar Stunden. Trotz mehrmaliger Einkehr kamen P. und ich zuerst am Hotel Rennsteig an. Das Wetter war super, wir hatten die Lampe an, wollten nicht ewig auf die beiden anderen warten, so checkten wir ein.

Nun war ich mit Schnarcher P. in einem Zimmer!

Größere Sorgen machte ich mir deswegen zunächst nicht, schließlich war ich ja an diesem Pfingstsonntag über 30 Kilometer gewandert und würde mir bis zur Nachtruhe auch die richtige Bettschwere angearbeitet haben – dachte ich.
Wir gingen in den nächsten Biergarten, trafen dort später auf unsere Mitwanderer und feierten mit fränkischem Bier und deftiger Kost unseren letzten Rennsteigabend.
Gegen 23 Uhr trug ich P. ins Hotelzimmer und bettete ihn auf seine Liege, zunächst in Rückenlage. Ich schnarche ja auch gelegentlich, zumindest behauptete das schon die eine oder andere Bettgenossin. Aber ich schnarche in der Kreisklasse B, Prolli Champions League, mindestens.

Doch anfangs war ich noch zuversichtlich.

An der Rezeption holte ich mir gegen Mitternacht noch ein Bier. Junge Junge, was machte der Mann im Bett neben mir für einen Krach. Ich wuchtete ihn in eine stabile Seitenlage, schließlich schnarcht sich’s auf dem Rücken am Besten. Nicht so P., auch in Seitenlage machte er Krach, zwar anderen als in Rückenlage, jedoch genauso schlafverhindernd.

Gegen Eins drehte ich mir aus Toilettenpapier Ohropax und schraubte mir diese tief in den Gehörgang, ohne Erfolg. Zwischenzeitlich hatte ich meinen Zimmernachbarn auch mal auf den Bauch gelegt, mit hochrotem Kopf röchelte er zunächst wie ein Schwein um dann wieder laut weiter zu schnarchen. Das geht doch eigentlich gar nicht, dachte ich, auf dem Bauch liegend kann man doch nicht schnarchen, er konnte.

Gegen zwei wurde er kurz wach, wir bläfften uns ein wenig an, er versprach nicht mehr zu schnarchen.

Sein Versprechen hielt er nicht.

Langsam wurde ich sauer, ziemlich sauer.

Ich überlegte zunächst, ob ich ihn aus dem Fenster werfen sollte und nahm das Projekt dann auch in Angriff, schubste ihn aus dem Bett, rollte ihn ans offene Fenster, jedoch bekam ich ihn nicht über die Fensterbrüstung. Egal, den Fall aus dem Hochparterrefenster hätte er sicher schadlos überstanden und vor dem Fenster fröhlich weiter geschnarcht.
Ich rollte ihn zurück auf’s Bett. Nur um zu sehen, ob es den Schall mindert legte ich ihm das Kopfkissen auf’s Gesicht, er wurde nicht leiser, hatte aber Probleme beim Einatmen.
Aha, wenn das Kissen auf seinem Gesicht lag, atmete er weniger. Ich drückte das Kissen ein wenig auf sein Gesicht, er hörte fast ganz auf zu atmen.

Soll ich oder soll ich nicht?

Wenn ich der Polizei sagen würde, er habe wohl einfach aufgehört zu atmen, dann würden die mir das bestimmt glauben, schließlich haben starke Schnarcher Atemaussetzter.
Auch P.s Frau hätte sicher für diesen Tod Verständnis gehabt, da war ich mir ziemlich sicher.

Wieder legte ich das Kissen auf sein Gesicht, drückte es ein wenig auf ihn drauf, oha, um das Atmen ganz zu unterbinden musste ich schon ganz schön drücken, aber ich war fest entschlossen…

Doch ich konnte nicht ausschließen, dass Mac Taylor von CSI: New York, der vielleicht im gleichen Ort Urlaub machte, den Todesfall untersuchen würde.

Und er würde bestimmt Partikel, Federn oder sowas aus der Kopfkissenfüllung in Prollis Atemwegen finden und mich so überführen.
Also nahm ich nach vier Minuten das Kissen weg, der blaue Kopf schnappte tief nach Luft und … schnarchte weiter..

Ich war noch immer fest entschlossen Prollis Leben und damit dem Schnarchlärm ein Ende zu setzen. Aus meinem Rucksack kramte ich die Alditüte mit meiner Dreckwäsche hervor, leerte sie aus.
Ja, das schnarchende Schwein sollte sterben und das letzte was er riechen würde, wäre der Geruch meiner getragenen Socken und Unterhosen.

Doch auch hier würde mich Mac Taylor sicher anhand von Hautpartikeln und Schweißmolekülen überführen schoss es mir durch den Kopf. Ich geh doch nicht in den Knast weil jemand schnarcht. Zwar bekäme ich mildernde Umstände, aber in den Knast wollte ich nicht.

Aber ich hätte es getan, wenn ich vorher nie CSI: New York gesehen hätte, ich hätte der Sau die Lampe ausgeknipst, ich schwör’s.

 

Wie es der Zufall will rief gerade, als ich diesen Text überarbeitete, P. an, kündigte seinen Besuch für heute Abend an, wir wollen die eine oder andere Tour planen. Wo kann man eigentlich Kaliumchlorid kauften?
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